Zeeland-Radreise

Gegen den Wind

 Zeeland-Inseln in Holland

Fahrrad-Rundreise ab Rotterdam

Fahrradtour durch Zeeland in Holland

August 2019

Samstag, 17.08.2019 Rotterdam 

Schon bei der Anfahrt zum Hotel erhalten wir einen ersten Eindruck der architektonisch vielfältigen Stadt, die knapp 650.000 Einwohner zählt.

Rotterdam - Erasmusbrücke
Erasmusbrücke

Über die 800 m lange Erasmusbrücke überqueren wir die Nieuwe Maas und erreichen den Wilhelmina-Pier. Hier hat das „Manhattan an der Maas“ mit zahlreichen Hochhäusern namhafter Architekten wie Renzo Piano oder Norman Foster Gestalt angenommen.

Rotterdam Skyline
Skyline am Wilhelmina-Pier mit Hotel New York

Ganz am Ende des Wilhelmina-Piers liegt das legendäre Hotel New York. Der Backsteinbau stammt aus der Gründerzeit und war ursprünglich das Hauptquartier der Holland-Amerika-Linie (HAL). Viele Hunderttausend Menschen brachen seit den 1870er mit ihrem Hab und Gut von hier in eine ungewisse Zukunft mit dem Ziel Ellis Island (New York) auf. Das geschichtsträchtige Hotel hat sehr viel Charme.

Da unser gebuchtes Zimmer noch nicht bezugsfertig ist, schlendern wir über eine kleine Brücke nach Katendrecht. Dieses aufstrebende Viertel ist für ihr Gastronomie- und Unterhaltungsangebot in ehemaligen Lagerhäusern bekannt. Ein Beispiel ist die urige Kneipe Posse. Hier planen wir unseren Stadtrundgang und erfreuen uns an den witzigen Antiquitäten und Exponaten, während wir auf das Ende eines heftigen Regenschauers warten.

Nachdem wir im Hotel New York unser sehr originell eingerichtetes, großzügiges Zimmer (mit beispielsweise frei stehender Badewanne im Wohnraum) bezogen haben starten wir die Stadtbesichtigung.

Der Kop van Zuid, zu dem auch der Wilhelmina-Pier gehört, gilt als Rotterdams Vorzeige-Stadtteil. Die früheren Hafenanlagen sind inzwischen durch Wohnungen und Bürogebäude ersetzt worden. Viele auch namhafte Architekten durften sich hier austoben. Entstanden ist ein moderner Stilmix aus Glas, Backstein und Beton. Hier stehen auch die Maastürme, mit 165 m Höhe Hollands höchste Wolkenkratzer.

Rotterdam_oude-Haven_Het_Witte_HuisOude Haven - Het Witte Huis

Über die Insel Noordereiland und die Willemsbrug erreichen wir den Oude Haven. Die älteste Hafenanlage Rotterdams ist heute ein beliebtes Ausgehviertel. Hier liegen viele schöne Holzboote vor Anker, die teilweise besichtigt werden können. Auffällig ist das Het Witte Huis im Artnouveau-Stil, mit 43 m Höhe war es 1898 der erste „Wolkenkratzer“ auf dem Kontinent.

Rotterdam - Kubushäuser
Kubushäuser

Dem gegenüber stechen die gelben Kubushäuser ins Auge. Die scheinbar auf einer einzigen Spitze stehenden würfelförmigen Bauten gelten als Meisterwerk des Baukünstlers Piet Blom. Mitte der 1980er Jahre entstand sein „städtischer Wald“ und erstreckt sich mit gut 50 Kuben als eine Art Fußgängerbrücke über die vielbefahrenen Blaak-Straße. Den Wohnkomfort stellen wir uns äußerst eingeschränkt vor, nehmen uns aber nicht die Zeit für die Besichtigung, da uns der Andrang abschreckt.

Rotterdam - Markthalle
Markthalle

Ein weiteres auffälliges Gebäude ist die Markthalle an der Blaak Station. Es ist sicherlich nicht nur Hollands größte, sondern weltweit wohl originellste feste Markthalle. In dem architektonisch eindrucksvollen Gebäude in Form eines aufgestellten Hufeisens gibt es einen Delikatessenmarkt sowie zahlreiche Restaurants und Cafés. Die Wände sind mit farbigen Fruchtmotiven verziert. Ebenfalls wurden rund 200 Wohnungen geschaffen.

Ganz in der Nähe liegt die Sankt Laurentiuskirche (Grote Kerk). Gottesdienste finden hier allerdings nur noch sonntags statt, ansonsten wird sie für Veranstaltungen genutzt. Für eine Besichtigung (bis 17 h) sind wir zu spät dran. So schlendern wir weiter durch die Fußgängerzone die mit vielen bekannten Kettenläden keinen besonderen Reiz hat. Schön ist die barock inspirierte Fassade des Het Schielandshuis. Im ältesten Gebäude der Stadt aus dem 17. Jahrhundert befindet sich heute die Touristeninfo.

Rund um den Museumspark haben sich einige sicherlich sehenswerte (immerhin war Rotterdam 2001 zusammen mit Porto Kulturhauptstadt) Museen angesiedelt und zahlreiche zum Teil skurrile Skulpturen und Plastiken gilt es zu entdecken. Über die lebendige Witte de Withstraat mit vielen Kneipen, Cafés und Restaurants erreichen wir den Leuvehaven. Nostalgie zum Anfassen bietet das hier ansässige Hafenmuseum. Viele historische Schiffe, schwenkbare Kräne oder Maschinen stehen auf dem Außengelände.

Rotterdam - Leuvehaven
Leuvehaven mit Wassertaxi

Inzwischen tun uns vom vielen Pflastertreten die Füße weh. So sind wir froh, dass wir mit dem Wassertaxi (4,50€/Person) direkt zum Hotel New York fahren können. Nachdem das Wassertaxi das Hafengebiet verlassen geht es in ziemlich rasanter Fährt zum gegenüberliegenden Ufer. So haben wir noch einmal einen tollen Blick auf die Erasmusbrücke und die Skyline.

Rotterdam - Wilhelmina-Pier
Wilhelmina-Pier

Beobachten können wir aus der Ferne, wie sich einige Wagemutige am Euromast aus 100 m Höhe abseilen.

Abends speisen wir vorzüglich im Basement Restaurant des Hotel New York.

 

Sonntag, 18.8.2019 Rotterdam - Kinderdijk - Dordrecht - Willemstad

(75 Fahrrad-Kilometer)

Mit Blick auf die Wetter-App zögern wir den Beginn unserer Fahrradtour noch etwas hinaus. So gehen wir erneut über die Fußgängerbrücke nach Katendrecht. Hier liegt die SS Rotterdam, ein zum Hotel umgebautes Kreuzfahrtschiff, vor Anker.

MS RotterdamMS Rotterdam

Ein kleiner Rundgang über das Promenadendeck ist kostenlos möglich und verleiht einen kleinen Eindruck von Kreuzfahrtschiffen aus den 50er Jahren. Als das Schiff 1958 vom Stapel lief war der Luxusliner das größte Passagierschiff der Welt. Heute kann man sich an Board kulinarisch verwöhnen lassen und in einer der 250 Kabinen authentisches Kreuzfahrtflair erleben, ohne seekrank zu werden.

Durch einfache Wohnviertel schlendern wir zurück zum Hotel. Langsam haben sich die Regenwolken verzogen und wir starten unsere Tour. Immerhin müssen wir heute 75 Kilometer meistern.

Die städtischen Ausläufer Rotterdams begleiten uns noch etliche Kilometer. Begeistert sind wir allerdings vom gut ausgebauten Fahrradnetz. Meist gibt es eine separate Fahrradspur und häufig haben Fahrräder Vorrang. Auch die Autofahrer sind an Fahrräder gewöhnt und sehr viel rücksichtsvoller als in Deutschland.

Nachdem wir in Krimpen aan der Ijssel erstmalig mit der Fähre (80 Cent/Person) übergesetzt sind, erreichen wir Kinderdijk.

Kinderdijk UNESCO Weltkulturerbe
Kinderdijk

UNESCO Weltnaturerbe

Im landschaftlich schönen und sehr wasserreichen Gebiet gibt es 19 um 1740 erbaute Windmühlen, die zum Teil noch als Museum vorgeführt werden. Die Windmühlen hatten die Aufgabe, die tiefer liegenden Gebiete des Alblasserwaard trocken zu halten und vor Überflutungen zu schützen. Heutzutage sind sie das Symbol für das Wassermanagement in Holland und wurden 1997 auf die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO gesetzt. Als Ensemble mit zahlreichen Wasserläufen, Deichen und Schleusen bildet die Polderlandschaft ein typisch holländisches Bild. Den touristischen Andrang mit vielen Asiaten muss man bei einer Besichtigung allerdings leider in Kauf nehmen.

Erfreulicherweise bietet der folgende Streckenabschnitt wieder etwas mehr Ruhe. Erneut radeln wir durch kleine Orte mit vielen im typischen holländischen Stil erbauten kleinen Häusern. Das beliebteste Baumaterial ist roter Backstein.

Der Sage nach gab es in den Niederlanden die sogenannte Gardinensteuer. Angeblich wurde diese Steuer auf die Größe der Dekoration an den Fenstern erhoben, so dass nur kurze oder gar keine Gardinen verwendet wurden. So sieht man auch heute noch überwiegend offen von der Straße einsehbaren Wohnungen bzw. vorderseitig gelegenen Wohnzimmer häufig sehr schön dekoriert. Besser gefällt uns der Gedanke, dass die Holländer so ihre Offenheit zeigen und ausdrücken, dass sie nichts zu verbergen haben.

Viele der Häuser sind am Wasser gebaut und entsprechend mit einem Anleger und Boot ausgestattet. Im kleinen Ort Alblasserdam stärken wir uns im netten Restaurant Le Barrage, bevor wir unsere Tour nach Dordrecht fortsetzen.

Mit dem Wasserbus überqueren wir mit Blick auf Dordrecht die Oude Maas. Von der pittoresken Altstadt sind wir ganz begeistert. Bereits im Jahr 1220 erhielt Dordrecht Stadtrechte und ist damit die älteste Stadt Hollands.

Dortrecht
Dordrecht

Mitten in einem wasserreichen Gebiet gelegen, war Dordrecht von jeher eine wichtige Handelsstadt für Holz-, Korn- und Weinhandel. Diese Geschichte, der Reichtum und die Kultur sind noch gut sichtbar. Viele gut erhaltene historische Gebäude prägen das Stadtbild. Am Innenstadthafen gibt es eine eiserne, hochklappbare Fußgängerbrücke. Hier beobachten wir, wie ein größeres Hausboot auf Einlass in den Hafen wartet und kurz darauf eine ältere Dame kommt, um die Brücke zu betätigen.

Ebenfalls sehenswert in Dordrecht ist die Grote Kerk mit tollem Chorgestühl, teilweise sehr modernen Glasfenstern mit weltlichen Motiven und einem schönen steinernen Gewölbe.

Bislang haben wir nicht einmal die Hälfte unserer Tagesetappe geschafft. So heißt es nun „Strecke machen“ und gegen den inzwischen aufgezogenen Wind anzukämpfen. Von Dordrecht überqueren wir das vorletzte Teilstück des breitesten Rheinarms im verzweigten Rhein-Maas-Delta und genießen erneut schöne Landschaftseindrücke. Weniger schön ist die Passage über die 2,6 Kilometer lange Moerdijkbrücke wo der Fahrradweg neben der gut befahrenen Straße verläuft und uns zwar schöne Blicke bietet, aber uns hart gegen den Wind ankämpfen lässt.

Holland Landschaftsimpression

Auf der Radtour wird uns allzu deutlich vorgeführt, wie flach Holland ist. Fährt man wie so oft auf einem Deich durch die Polderlandschaft hat man einen unglaublichen Weitblick. Die wasserreiche Gegend wird stark von Landwirtschaft geprägt und auch viele Kühe und Schafe sind auf den Wiesen. Zudem können wir immer wieder einige Vogelschwärme im Formations-Flug beobachten oder Reiher, Löffler aber auch Gänse, Enten oder Störche, die nach Nahrung suchen.

Nach weiteren anstrengend Kilometern sind wir froh, unser Tagesziel Willemstad zu erreichen. Das Hotel Het Wapen van Willemstad hat Charme, aber in der Standardversion äußerst kleine Zimmer mit nicht abgetrennten, Bad. 

Willemstad Windmühle
Willemstad Windmühle

Auf der Suche nach einem Restaurant schlendern wir noch etwas durch die Altstadt mit einigen Gebäuden aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Eine schöne Windmühle, die zum Wohnhaus umfunktioniert wurde, überragt das Ensemble. Nett ist auch der kleine Jachthafen mit vielen schönen Booten. 

Unser Appetit auf frischen Fisch führt uns zurück zum Hotelrestaurant, wo wir vorzüglich speisen und dazu einen kapholländischen Wein des Weinguts Boschendal, das Anke schon besichtigt hat, aus Südafrika genießen.

 

Montag, 19.08.2019 Willemstad - Bruinesse - Zierikzee - Noordouwe

(55 Fahrrad-Kilometer)

Willemstad ist eine Festungsstadt. Das Hotel liegt direkt an der Festungsmauer. Die sternförmig angelegte Anlage gilt als am besten erhaltene Festung der Niederlande. Einige Teile der massiven Bunkeranlage sehen wir uns auf einem kleinen Rundgang an.

willemstad_festung
Festung

Nachdem wir Willemstad verlassen haben, passieren wir zunächst die Brücke Sluspad Noord-Brabant und blicken auf die Schleusenanlage.

Die nächsten 20 Kilometer führt der Fahrradweg auf dem Volkerakdam direkt neben der viel befahrenen Nationalstraße entlang. Der Ausblick über die flache, wasserreiche Landschaft ist zwar schön, wird jedoch stark vom Verkehrslärm getrübt.

Naturschutzgebiet Hellegatsplaten
Naturschutzgebiet Hellegatsplatenn

Vom Fahrradweg haben wir einen schönen Blick auf das Naturschutzgebiet "Hellegatsplaten" – zu Deutsch „Höllentor-Sandbänke“. Diese verdanken ihren Unheil verkündenden Namen der Zeit vor dem Bau des Philipsdamms. Starke Strömungen schufen tiefe Rinnen, die für Schiffer tückische Hindernisse darstellten. Heute sind die Hellegatsplaten ein Paradies für Vögel, frei laufende Heckrinder und Wildpferde. Aufgrund der großen Vielfalt an besonderen Pflanzen und Tieren steht diese Landschaft heute unter Naturschutz.

Mit dem Erreichen der Insel Goeree-Overflakkee wird die Fahrstrecke wieder angenehmer. Im Kampf gegen Wind und leichten Regen queren wir die Insel. Hinter Oude Tonge bestimmen ausgedehnte Polder, Dünen und goldgelbe Sandflächen das Landschaftsbild. Auf dem Grevelingendam kämpfen wir erneut gegen den Wind an und erreichen bald die Insel Schouwen-Duiveland. Eine Schleuse trennt uns von der netten Kleinstadt Bruinisse, die als „Tor von Zeeland“ und für seine Muschelzucht bekannt ist.

Bruinesse
Bruinesse

Ein landschaftlich schöner Streckenabschnitt führt uns weiter über die Insel Schouwen-Duiveland. Unser Tagesziel ist die Hostellerie Schuddebeurs in Noordgouwe. Das Hotel mit schöner Gartenanlage hat sehr viel Charme.

Nach einer Siesta fahren wir abends bei inzwischen blauem Himmel in die etwa fünf Kilometer entfernt liegende Stadt Zierikzee. Diese liegt am Meeresarm Oosterschelde. Mittelalterliche Straßenzüge, mehr als 500 historische Häuser und ein eindrucksvoller Jachthafen verleihen der Stadt einen besonderen Reiz. 

Zierikzee
Zierikzee

Die Stadt war am Ende des Mittelalters ein strategisch bedeutender Ort in Zeeland. Um Zierikzee vom Hafen aus zu schützen, wurden im 14. Jahrhundert zwei große Stadttore gebaut. Gegenüber den Stadttoren liegt der Alte Hafen, der von historischen Häusern gesäumt wird. Hier speisen wir mit Blick auf die Boote und eine hölzerne Klappbrücke in einer kleinen Brasserie und Anke probiert die Zeeland-Muscheln, die in einem speziellen Muscheltopf mit Pommes Frites, Brot und diversen Saucen serviert werden.

Dienstag, 20.08.2019 Noordgouwe - Nationalpark Oosterschelde - Veere - Middelburg - Vlissingen

(62 Fahrrad-Kilometer)

Das schlechte Wetter hat sich verzogen. Bei Sonnenschein und nur ein paar wenigen Wolken starten wir unsere Tour.

Noch einmal fahren wir nach Zierikzee und werfen einen letzten Blick auf den Jachthafen und die dahinter aufragenden mächtigen Stadttore. Über die Zeelandbrug (Zeeland-Brücke) verlassen wir die Insel Schouwen-Duiveland. Mit über fünf km Länge und 50 Bögen war diese bei ihrem Bau 1965 die längste Brücke Europas. Auf der Überfahrt hat man einen schönen Ausblick über den Meeresarm Oosterschelde.

Im erneuten Kampf mit dem Gegenwind erreichen wir die kleine Insel Noord-Beveland.

Die Halbinsel ist sehr flach und liegt nur einen Meter über dem Meeresspiegel. Der Fahrradweg führt weitestgehend am Ufer des Nationalpark Oosterschelde entlang und ist geprägt von Gezeiten, Wind und vor allem Wasser, viel Wasser.

Nationalpark Oosterschelde
Nationalpark Oosterschelde

Bei Ebbe sehen wir im maritimen Naturpark Sandplatten und Schlickgebiete und viele Vögel. Wildgänse ziehen schnatternd über uns hinweg, bevor sie auf dem Wasser landen.

Bei näherer Betrachtung kann man am Deich die Pazifische Auster entdecken, die hier seit den 1960er Jahren gezüchtet wird. Wie der Name schon sagt, stammt sie eigentlich von der asiatischen Küste des Pazifiks und wurde aus Japan durch Austernzüchter in großen Mengen nach Zeeland gebracht.

Sturmflutwehr
Sturmflutwehr

Ein gigantisches Sturmflutwehr trennt Oosterschelde von der Nordsee. Hinter dem Wehr beginnt eine wunderbare Dünenlandschaft mit breiten Sandstränden.

Am drei Kilometer langen Banjaardstrand nehmen wir windgeschützt eine Erfrischung zu uns und beobachten das bunte Treiben am bei Familien sehr beliebten Strand.

Über den Veerse Gatdam fahren wir weiter auf die Halbinsel Walcheren. Der 2,8 Kilometer lange und 14 m hohe Damm schließt den ehemaligen Seearm Veerse Gat von der offenen Nordsee ab, wodurch das Veerse Meer entstand.

Als wir die malerische Kleinstadt Veere erreichen sind wir über den touristischen Andrang zunächst erstaunt. Die vielen historischen Gebäude und schönen Giebelhäuser haben durchaus Charme, aber dienstags kommen die Touristen, um den mittelalterlichen Markt zu besuchen.

Veere
Veere

Abseits des Touristenrummels finden wir ein nettes Restaurant. Von der sonnigen Terrasse genießen wir den Blick auf den Jachthafen und die schönen Häuserfassaden. Anschließend laufen wir ein wenig an der Verteidigungsanlage entlang und verpassen es trotz enormem Menschenandrangs nicht, noch einen kleinen Eindruck der pittoresken Gassen zu bekommen. Als wir das Getummel am Fähranleger beobachten, sind wir sehr froh, dass wir uns für die zwar fünf Kilometer längere, aber wesentlich entspanntere und landschaftlich schöne Strecke über den Damm entschieden haben.

Middelburg
Middelburg

Unser nächstes Ziel ist Middelburg, die alte Hauptstadt der Provinz Zeeland. Wieder einmal gibt es viele historische Gebäude, die der Stadt einen speziellen Charakter vermitteln. Stolz ragt der „Lange Jan“ aus dem Stadtbild heraus. Um die Aussicht vom gut 90 m hohen Abteiturm zu genießen, muß man zunächst 207 Stufen überwinden.

Unser Tagesziel ist Vlissingen - die südlichste Stadt unserer Fahrradtour. Die Hafenstadt und ehemalige englische Garnisonsstadt liegt an der Mündung der Westerschelde, an der Südküste der Halbinsel Walcheren. Mit etwa 45.000 Einwohnern ist die Stadt etwas größer, hat aber leider keinen besonderen Charme.

Vlissingen
Vlissingen

Abends speisen wir in einem italienischen Restaurant mit Blick auf die Westerscheide. Hier verkehren einige Frachtschiffe. In der Ferne kann man das andere Ufer erkennen und blickt zum Teil in Richtung Belgien. Hochhäuser flankieren größtenteils den Boulevard. Am Wasser entlang schlendernd blicken wir auf eine Befestigungsmauer. Später erreichen wir die Kasematten und den historischen Hafen. Hier finden sich zumindest ein paar wenige historische Häuser, doch insgesamt gefällt uns Vlissingen nicht.

Mittwoch, 21.08.2019: Vlissingen – Domburg - Burgh Haamstede

(60 Fahrrad-Kilometer)

Ein blauer Himmel und strahlender Sonnenschein begrüßt uns am Morgen. Heute erkunden wir den der Nordsee zugewandten Teil der Halbinsel Walcheren. Schöne breite Sandstrände und eine bis zu 50 m hohe Dünenlandschaft bieten etwas Abwechslung. Vom Strand aus kann man Seeschiffe beobachten, die sehr nah an der Küste vorbeifahren.

Insel Walcheren - DünenlandschaftInsel Walcheren - Dünenlandschaft

In Zoutelande liegt auf einer der höchsten Dünen ein Bunkermuseum. Als Teil des Atlantikwalls finden sich in der Umgebung zahlreiche Bunkerüberreste aus dem Zweiten Weltkrieg. Leider können wir die zwei Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg nicht besichtigen, da das Museum erst um 13 h öffnet.

Der Atlantikwall war eine 2685 Kilometer lange Verteidigungslinie entlang der Küsten des Atlantiks, Ärmelkanals und der Nordsee. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg von den deutschen Besatzern in den Ländern Frankreich, Belgien, Niederlande, Dänemark, Norwegen, den britischen Kanalinseln sowie dem Deutschen Reich im Zeitraum 1942 bis 1944 geplant und teilweise erbaut. Gut tausend Bunker und Tunnel entstanden an der Nordseeküste der Niederlande. Mehr als 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs entdecken die Holländer Hitlers Beton-Wahnsinn neu. So werden Bunkerkomplexe originalgetreu nach Wehrmachtsplänen rekonstruiert und renoviert. (Nähere Infos erhält man im Atlantikwall Museum Scheveningen).

Domburg
Domburg

Später erreichen wir das Seebad Domburg, das sich offensichtlich einer hohen Beliebtheit bei Touristen erfreut. Einige schöne alten Villen findet man in dem ältesten Badeort an der Küste von Walcheren. Sehr schön sind die breiten, feinen Sandstrände und die Dünenlandschaft.

Durch das Naturschutzgebiet De Manteling auf Walcheren führt der landschaftlich reizvolle Weg weiter durch Dünen und Wald. Auffallend sind die Bäume. Im Zweiten Weltkrieg wurden diese beschnitten, wodurch seltsame, bizarre Formen entstanden sind, die man noch heute bewundern kann.

Im folgenden Streckenabschnitt setzt sich die schöne Landschaft fort, allerdings ist es hier mit der Einsamkeit vorbei.

Langsam nähern wir uns erneut dem gigantischen Oosterschelde-Sturmflutwehr, dass am einen Ende der Insel diese mit der Nordsee verbindet.

Oosterschelde-Sturmflutwehr
Oosterschelde-Sturmflutwehr

Dieses auf der Welt einzigartige über drei Kilometer lange Wehr wurde 1986 fertiggestellt. Durch 62 Öffnungen mit 42 m breiten Schiebern fließt immer noch Salzwasser in die Oosterschelde hinein und auch wieder aus ihr heraus. Bei drohender Springflut können die Schieber geschlossen werden, was angabegemäß durchschnittlich zweimal pro Jahr passiert. Die restliche Zeit ist der Damm geöffnet. Durch diese einzigartige Konstruktion soll die Niederlande, die zu mehr als der Hälfte unterhalb des Meeresspiegels liegt, vor Flutkatastrophen geschützt werden.

Über die Oosterscheldekering verlassen wir die Halbinsel Walcheren. Der erfreulicherweise vom Autoverkehr abgetrennte Fahrradweg führt direkt am Wehr entlang und bietet noch einmal einen näheren Blick auf das technische Meisterwerk.

Wir machen einen Abstecher zur künstlich geschaffenen Landzunge mit Windkrafträdern und einem hohen Turm. Der Blick vom Ende der Landzunge gibt Nordseefeeling pur. Hier gibt es viele Möwen und auch einige Kormorane. Etwas wundert uns, dass die Windkrafträder im ausgeschilderten Brutgebiet erbaut wurden.

Nordseestrand

Der Blick auf die Küstenlinie mit breiten Sandstränden und Dünen ist reizvoll. Allerdings verschandeln auch dahinter wieder einige Windkrafträder die schöne Landschaft. Als Befürworter erneuerbarer Energie müssen wir dies wohl oder übel akzeptieren.

Nach etwa neun Kilometern erreichen wir erneut die Insel Schouwen-Duiveland. Heute fahren wir durch den größten Wald von Zeeland im Naturschutzgebiet „De Kop van Schouwen“. Die hügelige Dünenlandschaft mit Sandverwehungen, Talebenen und Dünenwiesen ist äußerst reizvoll.

Dünenlandschaft

So nähern wir uns langsam unserem Tagesziel Burgh Haamstede. Das Fletscher Duinhotel wird seinem Namen zwar nicht gerecht, denn der Strand liegt etwa zwei Kilometer entfernt. Mit dem Fahrrad fahren wir noch zum Strand. Nachdem wir die 400 m breite großartige Dünenlandschaft durchquert haben, erwartet uns ein traumhafter breiter und einige Kilometer langer Sandstrand.

Strand von RenesseStrand von Burgh Haamstede

Mit Blick auf einige wagemutige Wasserratten und Sonnenanbetern genießen wir das schöne Nordseegefühl. Verdursten müssen wir auch nicht, denn es gibt einen windgeschützten Strandpavillion mit gastronomischen Angebot.

Donnerstag, 22.08.2018 Burgh Haamstede - Renesse - Brielle

(52 Fahrrad-Kilometer)

Erfreulich, dass sich langfristige Wettervorhersagen nicht immer bestätigen. So erwartet uns am Morgen erneut strahlender Sonnenschein.

Die etwa 21 Kilometer lange Küste der Insel Schouwen-Duiveland gilt  als eine der unberührtesten Küstenlinie der Niederlande. Auf der heutigen Tour können wir noch einmal das schöne Nordseegefühl mit einer schönen Dünenlandschaft und fast schneeweißen Strände erleben.

Strand von Renesse
Strand von Renesse

So legen wir in Renesse einen ersten Zwischenstopp ein und genießen den Blick auf den breiten, langen Stand. Auf einer vorgelagerten Sandbank sonnen sich einige Seehunde. Nach und nach kommen die ersten Badegäste. Wir verlassen die wunderschöne Strand-Idylle um unsere Tour fortzusetzen.

Brouwersdam
Brouwersdam

Bald erreichen wir den Brouwersdam, über den wir Schouwen-Duiveland verlassen. Wieder einmal finden wir es beeindruckend, wie das Land aus einer Konstruktion von Deichen, Dämmen und Schleusen vor Überschwemmungen durch die Nordsee geschützt wird. Auf der anderen Seite des Damms liegt das Grevelingenmeer, der größte Salzwassersee Westeuropas.

Von einem Aussichtsturm genießen wir den Blick über den Damm und das durch diesen entstandene Naherholungsgebiet für Wassersportler und Naturliebhaber. Über den Damm erreichen wir die Insel Goeree-Overflakkee. Die schöne Dünenlandschaft und breiten Nordseestrände setzen sich fort. Die Tour führt zunächst am Ufer des Grevelingenmeer vorbei, das offensichtlich sehr beliebt bei Seglern und Kite-Surfern ist. Später verlassen wir das Wasser und queren die Insel. Über die weitere Deltakonstruktion Haringvlietdam erreichen wir schon bald die Halbinsel Voorne-Putten. Durch kleine Ortschaften und viel landwirtschaftlicher Nutzfläche geht es ganz entspannt weiter zu unserem Tagesziel, der historischen Festungsstadt Brielle. Das Fletcher-Hotel de Zalm liegt mitten in der Altstadt.

Brielle
Brielle

Nachdem wir ein wenig durch die charmanten kleinen Gässchen geschlendert sind, genießen wir mit Blick auf das bunte Treiben die Sonne am historischen Hafen.


Freitag, 23.08.2019: Brielle – Maassluis - Schiedam - Rotterdam

(46 Fahrrad-Kilometer) 

Ein letztes Mal können wir entlang des Brielse Meer die schöne Wasser-Landschaft genießen.

Brielse Meer
Brielse Meer

Mit der Fähre setzen wir über die Maas und erreichen das ehemalige Fischerdorf Maassluis, aus deren kleinem Stadtkern der Turm der „Groote Kerk“ herausragt. Bei einem Cappuccino genießen wir den Blick auf den Hafen und gedenken dem Sohn der Stadt Schriftsteller Maarten ’t Hart (bekannte Werke: Mozart/Bach und ich oder „Das Wüten der Welt“). Sehr idyllisch ist der historische Hafen, in dem das alte Dampfschiff „Furie“ liegt.

Maassluis
Maassluis

Hinter Maassluis ist die Landschaft von Industrie und großen Häfen geprägt.

Sehr gut gefällt uns das altholländische Städtchen Schiedam, das bekannt ist für seine Mühlen und Genever-Brennereien. Viele schöne Häuserfassaden schmücken die Straßen.

Schiedam
Schiedam

Hier besichtigen wir das Jenever-Museum. Die Audioguide-Führung, die ebenfalls markante Punkte in der Altstadt einbezieht, ist sehr informativ und gut gemacht.

Langsam und mit zunehmendem Verkehr nähern wir uns Rotterdam. Ein Abstecher gilt noch der Van Nelle-Fabrik, die seit 2014 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört und ein „Symbol der holländischen Moderne“ ist.

Van Nelle Fabrik - Rotterdam - UNESCO WeltkulturerbeVan Nelle Fabrik

UNESCO Weltnaturerbe

Das Gebäude, das gegen 1920 als Kaffee-, Tee- und Tabakfabrik erbaut wurde, hatte großen Einfluss auf die Entwicklung der modernen Architektur in Europa. Die Architekten wollten einen Fabrikkomplex mit Licht, Luft und Raum schaffen.

Was die Form und das Material anbelangt, war die Van Nelle-Fabrik ihrer Zeit weit voraus. Architektur-Führungen finden nur am Wochenende statt, so dass wir uns mit dem Eindruck von Außen begnügen müssen. Neben der innovativen Architektur ist an dieser Weltkulturerbe-Stätte besonders, dass dort auch heute noch rege Geschäftstätigkeit herrscht. Gegenwärtig beherbergt die Van Nelle-Fabrik verschiedene Rotterdamer Unternehmen.

Rotterdam - Delfshaven
Delfshaven

Zurück in Rotterdam besichtigen wir noch das historische Hafenviertel Delfshaven. Anschließend fahren wir zum Wilhelmina-Pier. Damit endet unsere wunderschöne Zeeland-Fahrradtour.

Am Kreuzfahrtschiffanleger liegt die MSC Preziosa, mit über 1.700 Kabinen (über 4.000 Betten zzgl. über 1.000 Mann Besatzung) zählt es zu den 20 größten der Welt. Dieses gigantische Schiff, das höher als das Hotel New York ist, schauen wir uns natürlich aus der Nähe an. Hiermit zu Reisen können wir uns allerdings nicht vorstellen.

Rotterdam Skyline - MSC Preziosa
Rotterdam Skyline - MSC Preziosa

Bei den sommerlichen Temperaturen findet das Leben draußen statt. Besonders beliebt ist hierfür Katendrecht. Viele junge Leute sitzen auf Bänken und Paletten am Wasser. Ein Foodcourt bietet ein breites kulinarisches Angebot für ein Picknick. Wir lassen uns zum Abschluss auf der Sonnenterrasse des Restaurants Kwiezen vorzüglich verwöhnen.


Samstag, 24.08.2018 Haarzuilens - Utrecht

In der Provinz Utrecht gibt es viele einst als Festung genutzte Schlösser. Das imposanteste und größte der Niederlande ist das Kasteel De Haar in Haarzuilen.

Haarzuilen - Kasteel De Haar
Haarzuilen - Kasteel De Haar

Eine wunderschöne Parkanlage umgibt das von Wasser umgebene Bilderbuchschloss aus rotem Backstein. Es wurde zwischen 1892 und 1912 auf den Ruinen einer alten Burg erbaut. So genießen wir beim Flanieren durch die Gartenanlage immer wieder neue Blicke auf das stattliche Schloss.

Zum Abschluss des Urlaubs legen wir noch einen Zwischenstopp in Utrecht ein. Die Universitäts- und Bischofsstadt ist die viertgrößte der Niederlande (etwa 350.000 Einwohner).

Utrecht - Altstadt
Utrecht - Altstadt

Schön ist die kleine Altstadt rund um die Oude Gracht. Erneut sehen wir zahlreiche Giebelhäuser mit schönen verzierten Fassaden. Ein vielseitiges gastronomisches Angebot und viele Geschäfte ziehen entsprechend viele Menschen an.

Sehenswert ist zudem das Rietveld-Schröder-Haus. Das 1924 vom holländischen Architekten Gerrit Rietveld (1888-1964) entworfene Haus gilt als Ikone der modernen Architektur.

Utrecht - Rietveld-Schröder-Huis
Rietveld-Schröder-Huis

UNESCO Weltnaturerbe

Dieses Meisterwerk der modernen Kunstbewegung De Stijl wurde 2000 in die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO aufgenommen und ist nahezu in seinen Originalzustand zurückversetzt worden. Eine Besichtigung ist so kurzfristig leider nicht möglich. Doch auch die Betrachtung von Außen ist beeindruckend. Der Beschreibung „es wirkt wie eine riesige dreidimensionale Umsetzung einer Piet Mondrian-Komposition“ können wir uns anschließen.

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Wieder einmal ging die Urlaubswoche viel zu schnell vorbei. Die holländische Provinz Zeeland besteht zu großen Teilen aus Inseln und Halbinseln, die mit Dämmen und Brücken verbunden sind. Eine abwechslungsreiche Küstenlinie mit kilometerlangen Sandstränden und reizvollen Dünen erlaubt immer neue Ausblicke auf die Nordsee. Berühmt ist Holland zudem für seine Polderlandschaft mit zahlreichen Wasserläufen, Deichen und Schleusen. Dazwischen tauchen immer wieder typisch holländische Windmühlen auf. Landeinwärts gibt es zahlreiche historische Städtchen und Dörfer, wo die Zeit fast stehen geblieben scheint. Die fantastische holländische Landschaft und die Freundlichkeit der Menschen haben uns begeistert. Das hervorragend ausgebaute Radnetz ist nachahmenswert.