Ecuador

Ecuador-Rundreise inkl. Galapagos-Inseln

Leguan - Galapagos
Dezember 2019 / Januar 2020

Montag, 16.12.2019 Anreise: Stuttgart - Amsterdam - Quito

Nach über 11 Stunden Flug (ab Amsterdam) landen wir am späten Nachmittag in Quito auf dem in 2.400 m Höhe gelegen Internationalen Flughafen. Im Feierabendverkehr benötigen wir für die etwa 40 Kilometer lange Fahrt zum in der Altstadt gelegenen Masaya Hostel über eine Stunde. Dieselfahrverbote und Feinstaubalarm sind hier Fremdwörter. Es wird in die Luft geblasen, was das Zeug hält und bei den zum Teil sehr alten Fahrzeugen und insbesondere Kleinlastern ist das durchaus sicht- und riechbar.

Rund 2,2 Mio. Quiteños leben mittlerweile in der Andenmetropole auf 2.850 m Höhe (die höchstgelegene Hauptstadt der Welt). Quito verläuft in einer Nord-Süd-Achse in einem schmalen Längstal und wird von hohen, grün bewachsenen Bergen bzw. Vulkanen eingerahmt. Bunt ziehen sich die Häuser die Hänge hinauf.

Quito

Die Zeitverschiebung (- 6h) und das frühe Aufstehen machen sich bemerkbar. Auch an die Höhe müssen wir uns erst einmal gewöhnen. Ein Cerveza im Hotelrestaurant bringt schlussendlich die letzte Bettschwere. Leider wird unsere Nachtruhe gegen 23 h jäh unterbrochen. Wer rechnet schon damit, dass es direkt unter unserem Fenster eine temporäre Nachtbaustelle gibt. Selbst Ohropax vermögen den Bohrlärm nicht auszublenden. Gegen 2 h haben wir endlich Ruhe, auch wenn an eine Tiefschlafphase nicht mehr zu denken ist. Beim Blick aus dem Fenster können wir am nächsten Morgen das nächtliche Werk betrachten. In die Straße wurden in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen Löcher gebohrt, deren Sinn uns nicht klar ist. Sämtliche Baumaschinen sind jedoch wieder verschwunden.


Dienstag, 17.12.2019 Quito

UNESCO WeltnaturerbeFrühstück gibt es erfreulicherweise bereits ab 7 h. Anschließend erkunden wir bei strahlend blauem Himmel die weitgehend restaurierte, bald 500 Jahre alte koloniale Altstadt. Mit ihrer üppigen Verschmelzung von Gotik, Renaissance, Barock, Mudéjar und Neoklassik schaffte es Quitos Altstadt 1978 als erste Stadt überhaupt in die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO.

Qutio - Plaza Grande
Plaza Grande

Die Geschäfte haben noch geschlossen, aber auf den Straßen herrscht bereits reges Treiben. Im Mittelpunkt der Altstadt, in der es immer wieder schöne Fassaden zu bewundern gibt, liegt die zum Verweilen einladende Plaza Grande (bzw. Plaza de la Independenci). Die schöne Gartenanlage mit steinernen Sitzbänken wird vom Präsidentenpalast, Erzbischöflichem Palast, modernem Rathaus und der Kathedrale von 1566 eingerahmt. In der Mitte ragt eine Siegessäule empor.

Quito - Kirche Compañía de Jesús
Kirche Compañía de Jesús

Ein Highlight ist die Kirche Compañía de Jesús, ein in der ersten Hälfte des 17. Jh. errichteter Nachbau von San Ignacio in Rom. Die Front gilt als Paradebeispiel für amerikanischen Barock des 18. Jahrhunderts. Den beeindruckenden Innenraum können wir erst nachmittags besichtigen und sind absolut überwältigt. Wohin das Auge auch blickt, bedecken filigrane, überladene Blattgoldarbeiten (mehrere Tonnen Gold wurde verbaut) fast das gesamte, im Mudéjar-Stil gehaltene Kircheninnere. Fantastisch sind die Details wie der Figurenreichtum an der wuchtigen Kanzel. Die UNESCO führt die Jesuitenkirche unter den 100 bedeutendsten Bauwerken der Welt, völlig zu Recht!

Quito - St. Franziskus-KircheSt. Franziskus-Kirche

Besonders begeistert uns auch die imposante St. Franziskus Kirche. 104 dorische Säulen stützen das älteste und größte religiöse Bauwerk Quitos. Ebenfalls prächtig ist der weite und helle Klostergarten. Eine Treppe führt hinauf zum hölzernen Chorgestühl, das sich ungewöhnlicherweise hinter der Orgel befindet und einen schönen Blick in den Innenraum bietet.
In den langen Klostergängen befindet sich das Museum de Convento mit einer großen Ausstellung religiöser Kunst (16. –19. Jh.), darunter erstaunlich viele Figuren und Abbildungen mit der Welt entrückten zum Himmel aufblickenden Gesichtsausdrücken.

Vom Plaza San Francisco starten wir unsere Tour mit dem Hop on hop off-Bus. Allerdings müssen wir fast eine halbe Stunde warten. In den Altstadtgassen herrscht das absolute Verkehrschaos, gefühlt ist jedes dritte Auto ein gelbes Taxi und der Verkehr fließt zäh.

Der Busfahrer manövriert den Bus zunächst mit viel Geschick durch das Fahrzeuggewirr in den engen Gassen hinauf auf den Panecillo. Dieser 3035 m hohe Stadthügel liegt oberhalb der Altstadt und bietet einen fantastischen Blick auf die Stadt. Im Hintergrund erheben sich die Hochhäuser der Neustadt. Eine große begehbare Marienstatue bzw. geflügelte Jungfrau aus Aluminium krönt den Hügel als eines der Wahrzeichen der Stadt.

Quito

Nach 15 minütigem Aufenthalt geht es weiter. Straßenverkäufer laufen an den immer wieder stehenden Autos vorbei. Vom oberen Deck des Doppeldeckerbuses lassen wir das quirlige Treiben auf uns wirken und genießen die vielen Eindrücke, die uns geboten werden. Durch die Straßen mag man nicht unbedingt zu Fuß gehen. So fahren wir am riesigen Mercado de la Roque vorbei, auf dem sich die Einheimischen eindecken. Selbst auf den Fußgängerbrücken bieten an kleinen Ständen Händler ihre Waren an. Allerdings sollte man es vermeiden, während der Fahrt aufzustehen. Die Stromkabel hängen teilweise sehr tief über unseren Köpfen.

Noch einmal queren wir die Altstadt, um an der aufstrebenden Basilika vorbei in die Neustadt zu fahren. Das moderne Quito besitzt wenig Charme, aber dafür eine touristische Infrastruktur. In den 1930er-Jahren wurde der Stadtteil Mariscal als feine Wohngegend erbaut. Hier findet sich eine hohe Dichte an Restaurants, Bars, Diskotheken, Internetcafés, Sprachschulen, Kunsthandwerksläden, Pensionen und Touranbieter. Allein an den moderneren und auch teureren Autos wird deutlich, dass hier die wohlhabenden Quiteños leben.

Vor dem Hotel Quito steigen wir aus. Das Panoramarestaurant hat leider wegen Restaurierung geschlossen. Hinter dem Hotel liegt der Aussichtspunkt Mirador de Guápulo, der ebenfalls einen Panoramablick bietet. Man blickt auf recht steile Serpentinen auf das Tal von Tumbaco. Nach einem kleinen Mittagssnack im nahegelegenen Hotel Swiss gehen wir zurück zur Haltestelle. Es wundert uns angesichts des bereits erlebten Verkehrschaos nicht, dass der Bus erneut fast eine halbe Stunde hinter dem Zeitplan hinterherhinkt. Die Tour führt durch das Universitätsviertel und das luxuriöse Einkaufsviertel. Zum Abschluss umrunden wir den riesigen Carolina Park, ein belieber Vergnügungspark, der neben einem Botanisches Garten die unterschiedlichsten Freizeitaktivitäten bietet.

Quito - Basilica del Voto Nacional
Basilica del Voto Nacional

An der Básilica del Voto Nacional verlassen wir erneut den Bus. Der neugotische Bau überragt mit seinen 115 m hohen Türmen die umliegenden Gebäude. Das Gotteshaus aus Kalksandstein wurde nach über hundert Jahren Bauzeit inzwischen (fast) beendet. Der Grundstein wurde 1892 gelegt, die Basilika wurde aber erst 1985 von Papst Johannes Paul II. eingeweiht. Bemerkenswert sind die außerhalb oben am Kirchenschiff angebrachten Tier- und Dämonenfiguren, Affen, Schildkröten, Krokodile, Jaguare, Ameisenbären, Pelikane, Albatrosse und fliegende Vampirbestien aus der Unterwelt. Das Innere der imposanten 140 m langen und 35 m breiten Basilika präsentiert sich abgesehen von schönen bunten Glasfenstern eher schlicht, dafür wird man bei Besteigung des Turms mit einer schönen Aussicht belohnt. Über den linken der beiden 115 m hohen Türme geht es per Aufzug oder Treppe in die Höhe, über den rechten Turm geht es hinunter. Der schmale Nordturm ist von den beiden Südtürmen aus über einen Laufsteg über dem Kirchenschiff (toller Blick auf das Deckengewölbe) und gewagte Metalltreppenleitern erreichbar. Ein beeindruckender Bau, der gerne mit dem Kölner Dom oder Notre Dame in Paris verglichen wird.

Auch am Nachmittag hat der Verkehr keineswegs nachgelassen. Straßenverkäufer bieten in den engen Altstadtgassen gegrillte Snacks an, häufig sieht man ältere Frauen, die ihr in Plastiktüten abgepacktes Obst und Gemüse verkaufen.

Nach einer kurzen Siesta laufen wir erneut durch die Gassen. Die Weihnachsdekoration, die die ganze Stadt überzieht, bietet abends ein farbenfrohes und häufig blinkendes Schauspiel. Wir speisen in einem nahe des Hostels gelegenen Restaurant und ziehen uns früh zurück. Wie wir feststellen müssen ist die Straße neben dem Hotel nun abgesperrt. Unsere Vorahnung wird mit gegen 20:30 h einsetzendem Baulärm bestätigt. Als wir am frühen Morgen aus dem Fenster blicken, wird uns zum einen klar, wofür die in der vorherigen Nacht gebohrten Löcher waren, zum anderen müssen wir die Geschwindigkeit loben, an der sich so mancher Bauleiter in Deutschland ein Beispiel nehmen kann. Über eine etwa 50 m lange Strecke wurde die Straße ein Meter breit aufgerissen und etwa ein Meter ausgehoben. Die ersten Rohre würden bereits verlegt.


Mittwoch, 18.12.2019 Transfer Quito - Galapagos-Inseln: Baltra - Santa Cruz

Viel Schlaf hat es leider nicht gegeben. Bereits um 4:15 h werden wir abgeholt und zum Flughafen gefahren. Beim Abflug ist es bereits hell und wir haben einen fantastischen Blick über die schroffen Bergsilhouetten. Im Hintergrund überragen einige Gipfel die leichte Wolkendecke.

Nach einem etwa halbstündigen Flug gibt es eine Zwischenlandung in Guayaquil. Erfreulicherweise dürfen wir im Flugzeug sitzen bleiben. Kurze Zeit später fliegen wir etwa eine einhalb Stunden nur über Wasser bzw. Wolken, bevor die ersten kargen Inseln des Galapagos-Archipels aus dem Wasser herausragen.

Galapagos-Inseln

UNESCO WeltnaturerbeDie etwa 1.000 km westlich vom ecuadorianischen Festland liegenden 8.000 qkm großen Galápagos-Insel sind mit ihrer außergewöhnlich vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt UNESCO-Weltnaturerbe. Über 200 Inseln, darunter 13, die größer sind als 14 qkm, liegen verstreut im Pazifik, direkt auf dem Äquator im tropischen Gürtel. Als Nationalpark werden weite Bereiche des Archipels streng geschützt.

Wir landen mit einer weiteren Stunde Zeitverschiebung (-7h) auf der kleinen Insel Baltra. Erwartungsgemäß ist der Flughafen so klein, dass wir zu Fuß zum Terminal gehen. Hier wird der Eintritt in den Galapagos Nationalpark fällig (100 USD pro Person). Inzwischen wurde das Gepäck entladen und aufgereiht, damit es von Spürhunden geprüft werden kann.

Um die Galapagos-Inseln zu erkunden haben wir eine 6-tägige Kreuzfahrt (Western Route) auf dem Katamaran Millennium gebucht. Ein Crew-Mitglied des Kreuzfahrtschiffs nimmt uns am Flughafen in Empfang. Leider sind wir die ersten Teilnehmer, so müssen wir noch bis mittags warten, bis endlich alle Mitreisenden gelandet sind.

Der Flughafenbus fährt uns zum Itabaca-Kanal, wo wir mit einer einer Fähre nach Santa Cruz übersetzen, um die Fahrt in einem Bus fortzusetzen. Eine etwa 40 km lange, asphaltierte Straße durchquert die gesamte Insel vom Canal de Itabaca im Norden über das Hochland bis zur Südküste. In südlich gelegenen Puerto Ayora liegt das gebuchte Kreuzfahrtboot Millennium vor Anker.

Zunächst fahren wir durch eine karge Lavalandschaft. Santa Cruz ist ein großer und fast 900 m hoher Schildvulkan mit einzelnen Satellitenkratern. Mit zunehmender Höhe wird es grüner und schon bald erreichen wir das im Nebel liegende Hochland. Die fruchtbare Gegend wird in Teilen landwirtschaftlich genutzt. Etwas irritiert sind wir, als wir Kühe, Pferde und Ziegen erblicken.

Etwa auf ihrem höchsten Punkt verläuft die Inselstraße exakt zwischen zwei großen Senkkratern, genannt "Los Gemelos" (Die Zwillinge). Bei einem Stopp haben wir Gelegenheit in einen der beiden Krater zu blicken. Diese sind durch das Einstürzen großer unterirdischer Hohlräume und Lavatunnel entstanden. Inzwischen ist der Kraterboden bewachsen und hebt sich grün von den Lavawänden ab.

Ein spätes Mittagessen nehmen wir auf der Finca Las Primicias ein. Anschließend besichtigen wir das Schildkrötenreservat El Chato.

Galapagos - Riesenschildkröte

Es ist ein besonderes Erlebnis, diese prähistorisch anmutenden Riesenschildkröten in freier Natur aus nächster Nähe zu erleben. So können wir beispielsweise beobachten, wie diese sich in Zeitlupentempo bewegen, ihren Ziehharmonikahals zum Fressen ausstrecken oder geradezu apathisch in einem Wasserloch liegen.

Am späten Nachmittag erreichen wir Puerto Ayora und haben noch die Gelegenheit, Einkäufe zu erledigen (z.B. Tabletten gegen Seekrankheit zu erstehen) und ein letztes Mal online zu gehen, bevor wir 5 Tage lang zu „digital detox“ gezwungen werden.

Etwa 35.000 Menschen leben auf den Galapagos-Inseln, davon allein ca. 20.000 in Puerto Ayora. Auf der Suche nach unberührter Natur sind wir von der sowohl flächenmäßig größten als auch bevölkerungsreichsten Stadt der Galapagosinseln eher überrascht. Zahlreiche Hotels, Restaurants, Kneipen und Andenkenläden säumen die Avenida Charles Darwin. Nicht zu vergessen, die vielen Touranbieter, die (gefühlt in jedem zweiten Ladenlokal) ihr touristisches Angebot zur Erkundung der Inseln anbieten. Die Stadt selber hat allerdings wenig Charme.

Katamaran MilleniumKatamaran Millenium

Vom Pier werden wir mit Zodiacs zum kleinen Kreuzfahrtschiff gebracht. Der Katamaran bietet Platz für 16 Passagiere und 10 Crew-Mitglieder. Nachdem wir die Kabinen bezogen haben erfolgt eine kurze Sicherheitseinweisung (inkl. Anlegen der Schwimmwesten) und ein Ausblick auf die Aktivitäten der nächsten Tage. Nach dem Abendessen fallen wir todmüde ins Bett und hoffen auf etwas mehr Schlaf als in den beiden vorangegangenen Nächten. Angesichts der Bootsgröße und bei dem Gedanken an das offene Meer wird uns schon ein wenig flau - so nehmen wir rein prophylaktisch eine Reisetablette. Mit Kurs auf Isabela fährt die Millennium die ganze Nacht durch. An das Geschaukel müssen wir uns erst gewöhnen, von Seekrankheit bleiben wir erfreulicherweise verschont.


Donnerstag, 19.12.2019 Galapagos: Isabela - Las Tintoreras - Puerto Villamil

Isabela ist mit Abstand die größte Insel des Archipels und nimmt mit 132 km Länge und bis zu 84 km Breite mehr als die Hälfte der Galapagos-Landfläche in Anspruch.

Entstanden ist die Insel aus der Verschmelzung von fünf aneinandergereihten, aus dem Ozean ragenden Schildvulkanen, deren breite Lavaströme zu einer gewaltigen Landmasse zusammengeflossen sind. Alle diese Vulkane sind heute noch aktiv, der höchste ist über 1.700 m hoch.

Am frühen Morgen erreichen wir die vorgelagerte, flach verzweigte Basaltinsel Las Tintoreras.

Las Tintoreras
Las Tintoreras

Bereits vor dem Frühstück startet ein erster Ausflug mit den Zodiacs. Ziel ist eine vorgelagerte Lavastein- und Mangroven-Halbinsel. Auf den Felsen sitzend begrüßen uns einige Blaufußtölpel, deren leuchtend blauen Flossenfüsse schön mit der schwarzen Lava kontrastieren.

Blaufußtölpel

Auf Las Tintoreras können wir erstmals die urzeitlich anmutenden Meerechsen bewundern. Auf dem schroffen Lavagestein tummeln sich hunderte Leguane.

Leguan

Ehrlicherweise haben wir uns die Echsen etwas größer vorgestellt, aber durch das Zoomobjektiv wirken diese durchaus angsteinflößend. Völlig unbegründet! Nahezu bewegungslos sonnen sich die Tiere auf den Felsen und machen es uns leicht, ihre bedrohlich wirkende Erscheinung einzufangen. Wir sind den Tieren so nah, dass es teilweise schwerfällt, zu den Tieren immer den empfohlenen Abstand von zwei Metern einzuhalten, da die Echsen auch gerne völlig bewegungslos mitten auf dem Weg liegen.

Klippenkrabbe

Einen weiteren farbenfrohen Anblick bieten die roten Klippenkrabben, die sich lustig anzusehen seitwärts fortbewegen. Auch einige Seelöwen sonnen sich auf den Basaltfelsen.

Namengebend für die Tintoreras sind Weißspitzenhaie, denen wir in einem natürlichen Kanal gut sichtbar knapp unter dem Wasserspiegel beim Schlafen zusehen können.

Zurück auf der Millennium erwartet uns ein Frühstück, bevor wir zu einem Tagesausflug nach Puerto Villamil, das am südöstlichsten Ende der Insel Isabela liegt, aufbrechen.

Ein Bus steht bereit, mit dem wir zur Ranger Station des Vulkans Sierra Negra fahren. Leider lassen wir mit zunehmender Höhe den blauen Himmel hinter uns und befinden uns schon bald in einer Wolke. Ein grüner von Flechten überzogener Nebelwald bedeckt die Spitze des 1490 m hohen Vulkans.

Vulkankrater Sierra Negra

Dem Nieselregen zum Trotz beginnen wir unsere vier Kilometer lange Wanderung zum Kraterrand. Dort angekommenen müssen wir leider feststellen, dass dieser von einer Wolke überzogen ist und lediglich ab und zu einen kleinen Blick in den Krater freigibt. So erschließt sich uns der nach dem tansanischen Ngoro-Ngoro zweitgrößte Kraterkegel der Welt (ca. 10 x 9 km Durchmesser) leider nicht.

Riesenschildkröte

Auf gleichem Weg geht es zurück zur Ranger Station. Im Anschluss an ein Picknick fahren wir mit dem Bus zur Schildkrötenbrut-Station Arnaldo Tupiza. Nach unserem gestrigen Schildkröten-Erlebnis beeindruckt uns die Besichtigung weniger. Die allerdings erstaunlich regen Jungtiere bewegen sich in Freigehegen. Der Nachwuchs ist in kleinen Käfigen kaum zu sehen.

Ein kleiner Spaziergang führt entlang einer kleinen Mangrovenlagune. Hier stehen ein paar pinkfarbene Flamingos im Wasser, unter einer Kolonie stellen wir uns allerdings mehr als 10 Tiere vor. Erneut können wir Leguane bewundern, die sich hier quasi überall, auch gerne auf dem Bohlenweg, sonnen und uns völlig unbeeindruckt passieren lassen. Die Laguna de Villamil ist ein beliebtes Ziel für Vogelbeobachtungen.

Puerto Villamil

Bald erreichten wir den einladenden weißen Strand von Puerto Villamil. Das verschlafene Dorf (etwa 2.000 Einwohner) hat außer Ruhe nicht viel zu bieten.

In einem Strandcafe genießen wir die Ruhe. Hierbei können wir wunderbar einige Pelikane beim Fischfang beobachten. Auf den Lavafelsen tummeln sich zahlreiche kleine schwarze Echsen und Klippenkrabben. Auch wenn der bewölkte Himmel heute nicht zum Baden einlädt, genießen wir einen Spaziergang am idyllischen Sandstrand.

Bei einem kleinen Ortsrundgang werfen wir einen Blick in die schlichte Kirche Cristo Salvador. Die Kirche ist erstaunlich bunt mit Galapagos-Motiven bemalt. Die Buntglasfenster zeigen einheimische Tiere (Meerechsen, Tölpel, Pinguine, Flamingos) und die Wandbilder neben dem Altar einen Jesus, der über Puerto Villamil schwebt, während Fregattvögel, eine Meerechse und Blaufußtölpel zuschauen. Eine Riesenschildkröte behält das Ganze von der Kanzel aus im Blick.

Zurück auf der Millennium ziehen wir uns nach dem Abendessen schnell zurück. Eine stürmische Nacht erwartet uns.


Freitag, 20.12.2019 Galapagos: Isabela: Punta Moreno - Fernandina: Punta Mangle

Am frühen Morgen ist die unruhige Fahrt vorbei. Wir haben Isabela südwestlich umrundet und liegen vor Punta Moreno, einer schroffen Lavabucht, vor Anker. Das Frühstück nehmen wir auf Deck ein und können hierbei ein paar wenige Delfine und sogar einen Wal beobachten. Anschließend setzen wir mit dem Zodiac nach Punta Moreno über. Auf dem Weg können wir eine Blaufußtölpel-Kolonie, Pinguine und Pelikane beobachten, die auf den rauen Lavafelsen sitzen. Unbeeindruckt vom Gewirr sonnen sich träge einige Seelöwen. Hier findet man auch die größten und schwärzesten (und damit hervorragend getarnten) Meeresechsen.

Leguane auf Punta Moreno

Der endemische Galápagos-Pinguin gilt unter seinen Artgenossen als der zweitkleinste Pinguin der südlichen Hemisphäre. Keine andere Pinguinart lebt in den Tropen, und keine lebt weiter nördlich als der Galapagos-Pinguin. Sein nächstliegender Verwandter ist der Humboldt-Pinguin, der an den Küsten von Peru und Chile lebt.

Galapagos-Pinguine

Mit Ausnahme der Pinguine ist der Stummelkormoran der einzige flugunfähige Wasservogel weltweit. Es handelt sich um eine endemische Art, von der es nur noch ca. 700 Paare gibt. Bemerkenswert sind deren leuchtend blaue Augen.

 Punta Moreno

In Punta Moreno angelandet laufen wir über ein riesiges Lavafeld. Im Hintergrund erheben sich würdevoll der Vulkankegel des Sierra Negro, mit seinem typischen Wolkenschleier, und der Vulkankrater des Cerro Azul. Die relativ junge vulkanische Landschaft (etwa 1000 Jahre alt) ist mit zahlreichen Frischwasser-Pools gespickt, um die sich Teichhühner und Bahama-Enten scharen.

Flamingos

Drei Flamingos bieten einen farbenfrohen Kontrast zur schwarzen Lavalandschaft, die wie gerade erst erstarrt erscheint. Neben den grün bewachsenen Lagunen bieten auch ein paar wenige Lavakakteen ein wenig farbenfrohe Abwechslung. Die Wanderung erfordert unsere vollste Aufmerksamkeit. Immer wieder tun sich einige Spalten. Teilweise erzeugt man beim Überqueren der Platten ein Geräusch, das an Gläserklirren erinnert.

Zurück auf der Millennium haben wir Gelegenheit zu einer ersten Schnorcheltour. Trotz Unerfahrenheit und anfänglicher Bedenken zwängt sich Anke in einen Neoprenanzug (die Wassertemperatur beträgt nur 14Grad Celsius) und lässt sich mit dem Zodiac zum Schnorchelspot fahren. Ein wenig Überwindung kostet es, sich vom Boot ins Wasser gleiten zu lassen, dies wird aber mit einem fantastischen Erlebnis belohnt. Neben vielen kleinen und größeren bunten Fischen schwimmen Riesenschildkröten zum Greifen nah vorbei. Umgeben von acht dieser Riesen weiß man kaum, wohin man zuerst schauen soll. Auch Pinguine und Kormorane sind unter Wasser lustig anzuschauen. Grandios!

Mittags fährt die Millennium weiter zur Insel Fernandina. Den riesigen Schildvulkan erreichen wir bereits am Nachmittag. Fernandina ist die drittgrößte und westlichste Galapagosinsel und gleichzeitig die jüngste (erst 700.000 Jahre alt) und vulkanisch aktivste im Archipel. Die letzten Eruptionen fanden im September 2017 statt (bzw. nur eine Woche nach unserer Rückkehr nach Deutschland). Da die Insel Fernandina bisher von noch keiner einzigen ausländischen Spezies erreicht wurde, ist sie eines der wenigen unberührten Ökosysteme der Welt. Der Vulkan "La Cumbre" beherrscht die Landschaft mit Lavafeldern bis zum Ozean.

Insel Fernandina

Mit den Zodiacs erkunden wir Punta Mangle an der Ostküste von Fernandina. Mangrovenwälder überziehen die Bucht. Seelöwen liegen auf den Felsen oder tummeln sich im Wasser. Es gibt viele Pelikane, Schildkröten, schwarze Meeresechsen und jede Menge Vögel zu beobachten, darunter auch wieder flugunfähige Kormorane.

Seehund

Anschließend haben wir Gelegenheit, beim Schnorcheln die Unterwasserwelt zu erkunden. Erneut ein fantastisches Erlebnis.

Da wir unser Tagesziel bereits erreicht haben, haben wir eine ruhige Nacht.


Samstag, 21.12.2019 Galapagos: Fernandina: Punta Espinoza - Isabela: Tagus Cove

Nach dem Frühstück gibt es eine Zodiac-Tour zur Punta Espinosa. Ein dichter Mangrovenwald rahmt die schroffe Lavalandschaft ein. Der weiße Strand ist von Lavafelsen überzogen. Hier liegen Tausende schwarzer Meerechsen, die sich teilweise kaum von den Felsen abheben. Es ist angabegemäß die dichtesten Population von Meerechsen auf Galápagos. In der Lagune nahe dem Landungsplatz tummeln sich Seelöwen und verteidigen lautstark ihr Revier.

Leguan - Galapagos

Dem Weg folgend wandern wir zur Landspitze und haben unsere Mühe, nicht versehentlich auf eine der gut getarnten Echsen zu treten. Weiter geht es über die erst kürzlich entstandenen Lavafelder, aus denen einige Lavakakteen farbenfroh hervorstechen. Auch das Skelett eines Wales hebt sich weiß leuchtend vom schwarzen Sand ab.

Puenta Moreno

Anschließend gibt es einen weiteren Schnorchelausflug. Erneut können wir Riesenschildkröten aus nächster Nähe beobachten. Auch eine Kormorane flitzen durchs Wasser und sogar einige Leguane erfrischen sich im Wasser, allerdings mehr an der Wasseroberfläche. Riesige Fischschwärme ziehen ihre Runden und immer wieder zeigen sich die unterschiedlichsten farbigen Kreaturen.

Mittags fährt die Millennium zurück zur Insel Isabela. Nach dem Mittagessen gibt es eine weiter Anlandung an der Bucht Tagus Cove. Früher ankerten hier oft Matrosen und ritzten die Namen ihrer Schiffe in die Klippen ritzten. Die Felsritzungen (die älteste von 1836) sind angesichts der unberührten Umgebung ein sonderbarer Anblick. Über einige Stufen erklimmen wir die Aussichtsplattform und haben einen wunderbaren Blick auf den blau leuchtenden Lago Darwin. Die Salzwasserlagune hat einen doppelt so hohen Salzgehalt wie das Meer.

Lago Darwin

Ein Pfad führt zu den unteren Lavahängen des Volcán Darwin (1280 m), wo es mehrere vulkanische Gesteinsformationen und einen tollen Ausblick auf die Landschaft und das Meer gibt.

Nachmittags relaxen wir auf dem Sonnendeck, während das Schiff weiter zur Insel Santiago fährt. Immer mal wieder zeigen sich kurz Wale und Delfine. Sogar einige an Batman erinnernden Adlerrochen vollführen ihre Show und springen aus dem Wasser.

Gegen 17:30 h überqueren wir den Äquator. Der Kapitän lädt uns auf die Brücke ein, wo wir bei einem kleinen Cocktail zuschauen können, wie die GPS-Anzeige für einen kurzen Moment den Breitengrad 0o, 0`, 0“ anzeigt. Anschließend genießen wir einen tollen Sonnenuntergang, bei dem der Sonnenball blitzschnell im Meer „versinkt“. Auf der Nordhalbkugel umfahren wir Isabela und werden gegen 1:00 Uhr erneut den Äquator passieren.

Nachts ankern wir vor Santiago.


Sonntag, 22.12.2019 Galapagos: Santiago: Puerto Egas - Chinese Hat - Santra Cruz: North Seymoor

Santiago ist die viertgrößte der Galápagos-Inseln. Nach einer nassen Anlandung auf dem schwarzen Lavastrand bei Puerto Egas folgen wir dem Küstenweg. Hier entfaltet sich bald eine tiefschwarze, zerklüftete Lavaküste mit Naturpools, in denen Seelöwen baden, bewacht von den Meerechsen und einzelnen Reihern.

Santiago - Puerto Egas

Viele weitere Küstenvögel können wir beobachten. Erfreulicherweise sehen wir auch einige der seltenen Galápagos-Pelzrobben. Diese haben im Vergleich zu Seelöwen keine abstehenden Ohren. Sie sind kleiner und geschmeidiger, haben stumpfe Nasen, längere Schnauzbarthaare und können sich nicht mit ihren Vorderflossen aufrichten. Der Rückweg führt durchs Inselinnere. Wir haben Glück und sehen einige der gelben Landechsen, die vom Steppengras gut getarnt werden.

Im Hintergrund erhebt sch ein 395 m hoher Zuckerhutvulkan, aus dessen Krater früher Salz gewonnen wurde. Bis vor 40 Jahren besiedelten Salzminenarbeiter die Insel. Ruinen alter Salzminengebäude sind noch zu sehen.

Zurück am Lavastrand schnorcheln wir an den vorgelagerten Felsen der James Bay. Allerdings ist die Strömung ziemlich stark und man muss sich sehr vor den herausragenden Felsen in acht nehmen. Ein besonderes Highlight ist eine Pelzrobbe, die inmitten eines Fischschwarms ihre Kreise zieht. Nach dem Schnorchelausflug fährt die Millennium weiter.

Vom Schiff haben wir einen schönen Blick auf die an der Ostküste von San Salvador gelegene Bucht Sullivan mit ihren weißen Sandstränden. Ein riesiger, schwarzer, an die 100 Jahre alter Lavastrom zu einer Fläche erstarrt, reicht bis ans Wasser. Rötliche Schlackenkegel, erkaltete Strudel, Schlingen, Schleifen und Wirbel prägen die bizarre Oberfläche.

Gegen 14 h erreichen wir die Insel Sombrero Chino. Diese winzige Insel liegt direkt am südöstlichsten Zipfel der Insel Santiago. Sie ist weniger als 0,25 km² groß und besteht aus einem relativ jungen Vulkankegel. Wie passend der Name der Insel („Chinesenhut“) gewählt ist, lässt sich am besten von Norden aus erkennen. An der Nordseite der Insel gibt es auch eine kleine Seelöwenbucht.

Sombrero Chino

Mit dem Zodiac landen wir auf Sombrero Chino. Abgestorbene Korallen und eine raue Lavalandschaft mit vielen Tunneln überziehen die kleine Insel. Einen schönen Kontrast bieten rot leuchtende Pflanzen, die den Boden überziehen. Im Hintergrund erhebt sich der „Sombrero-Hut“. An der gegenüberliegenden felsigen Küste der Isla Santiago können wir ein paar wenige Pinguine beobachten.


Montag, 23.12.2019 Galapagos: Santa Cruz: Black Turtle Cove - Baltra - North Seymour & Bachas Beach

Nachts ankern wir vor Santa Cruz. Noch vor dem Frühstück findet ein Zodiac-Ausflug in die wunderschöne Mangrovenlagune Black Turtle Cove statt.

Mangrovenlagune Black Turtle Cove

Vom Boot aus können wir kopulierende Schildkröten, Adlerrochen, die aus dem Wasser springen, und einige Haie, darunter auch einen kleinen Hammerhai, beobachten. Viele Pelikane und andere Vögel sitzen in den Mangroven oder kreisen knapp über unseren Köpfen über der Bucht. Erneut ein wunderschönes Naturerlebnis.

Anschließend frühstücken wir ein letztes Mal an Bord, während die Millennium in den Hafen von Baltra zurückfährt. Gegen 8:00 h ist unsere 6-tägige Tour (eigentlich nur vier volle Tage an Bord) vorbei. Sowohl das Boot, als auch die Tour haben uns sehr gut gefallen. Die unterschiedlichen, unberührten Landschaftseindrücke haben uns ebenso begeistert wie die einzigartige Tierwelt. Unser Guide Javier hatte ein unglaubliches Wissen und dieses mit Begeisterung vermittelt.

Für den heutigen Tag haben wir einen Tagesausflug mit einem anderen Boot gebucht. Die Organisation klappt hervorragend! Ein Zodiac der Sea Finch holt uns samt Gepäck direkt von der Millennium ab. Nachdem auch die anderen Gäste an Bord sind fährt die Sea Finch zur Insel North Seymour. Das kleine, aus dem Ozean hoch gedrückte Lavaplateau ist nur durch eine schmale Meeresenge von der südlicher gelegenen Insel Baltra (früher „South Seymour“) getrennt. Die kraterlose, flache Insel entstand durch eine Hebung des Meeresgrundes.

North Seymoor

Nach einer Zodiac-Anlandung am schwarzen Sandstrand folgen wir dem 2,5 Kilometer langen Rundweg zunächst an der felsigen Küste entlang, später verläuft dieser durchs Inselinnere. Über unseren Köpfen drehen viele Vögel ihre Runden. Auf der nur zwei qkm großen Insel erwartet uns ein unglaubliches Naturerlebnis.

Fregattvogel

Highlight ist die große Fregattvogelkolonie, die hier ihre Brutstätten haben. Aus nächster Nähe können wir die Balzrituale der Männchen beobachten. Dabei blasen diese ihren schillernd roten Kehlsack zu einer beachtlichen Größe auf. Die Weibchen haben einheitlich schwarze Federn. Die Aufzucht der Jungvögel wird von beiden im Wechsel vollzogen. Die Küken haben einen schneeweißen Flaum und erinnern ein wenig an Wollknäuel.

Blaufußtölpel mit Jungem

Die Insel wird ebenfalls von Seelöwen, Meerechsen und vielen weiteren Vögeln bewohnt. So können wir ebenfalls Blaufußtölpel aus nächster Nähe beobachten. Ein Kreis aus weißem Guano rahmt die Brutstätten ein. Die Eier werden vom Weibchen gut bewacht. Ganz unbeholfen bewegen sich die kleinen Küken unter der Obhut der Mutter, von der sie ebenfalls mit dem Schnabel gesäubert werden. Auch einige der gelben Landleguane bekommen wir zu Gesicht.

Nach der grandiosen Inselerkundung haben wir Gelegenheit, die Unterwasserwelt auf einem Schorchelausflug zu erkunden.

Anschließend fährt die Sea Finch nach Santa Cruz, wo wir an der Nordküste am Strand Las Bachas anlanden. Der traumhafte weiße Sandstrand wird von schwarzen Lavafelsen eingerahmt. Im Wasser schwimmen Meeresschildkröten. Es gibt eine kleine Lagune, an der es häufig - aber nicht bei unserem Besuch - Flamingos zu beobachten gibt. So genießen wir den wunderbaren Traumstrand und beobachten die umherfliegenden Vögel. Einige Pelikane fliegen direkt über unseren Köpfen hinweg.

Pelikan

Zurück im Hafen werden wir mit dem Bus nach Puerto Ayora gefahren. Hier übernachten wir im Ikala Galapagos Hotel. Nach vier Tagen ohne Telefonnetz oder WLAN können wir endlich wieder mit den Daheimgebliebenen Kontakt aufnehmen und die ersten Leguanfotos versenden.

In der Stadt herrscht weihnachtliche Stimmung. Auf einem zentralen Platz haben sich viele Einheimische versammelt und es wird Weihnachtsmusik gespielt. Wir finden etwas abseits eine nette Pizzeria und beobachten das bunte Treiben. Abends freuen wir uns, endlich mal wieder ohne Geschaukel zu schlafen.


Dienstag, 24.12.2019 Transfer nach Quito

Mit dem Taxi fahren wir zum Hafen von Santa Cruz. Erneut müssen wir mit der Fähre übersetzen und anschließend den Flughafenbus nehmen. Der Avianca-Flug startet mit 30 Minuten Verspätung. Nach erneuter Zwischenlandung in Guayaquil geht es weiter nach Quito.

Am Flughafen werden wir abgeholt und zur Rukka Lodge in Tumbaco (etwa 20 km vom Flughafen entfernt) gefahren. Auf der Fahrt erhalten wir einen kleinen Einblick in das Leben der ärmeren Bevölkerung abseits von Quitos Zentrum. Die meist unverputzten und noch unfertig aussehenden Häuser sind klein und sehr einfach. Wellblechdächer schützen vor Regen. Farbtupfer gibt die Wäsche, die auf dem Dach oder am Haus im Wind baumelt. Die schäbigeren Vorortsiedlungen werden bald von besseren Wohnanlagen und sogar parkähnlichen Nobelvierteln abgelöst.

In Tumbaco herrscht lebhaftes Treiben. Straßenverkäufer bieten ihre Waren an und viele kleine Ladenlokale haben geöffnet. Die Lodge liegt in einer ruhigen Nebenstraße. Wir sind die einzigen Gäste in dem kleinen (8 Zimmer), neu eröffneten Gästehaus. Erfreulicherweise gibt es auf dem Gelände mehrere Restaurants. Angesichts der Feiertage haben diese allerdings nur bis 17 h geöffnet. So genießen wir ein wenig die schöne Gartenanlage, bevor wir am späten Nachmittag im Steakhouse sehr akzeptabel speisen.

Ab 17 h können wir die Anlage ganz alleine genießen. Ana, die freundliche Rezeptionistin, hat uns mit Kontaktnummern ausgestattet, das morgige Frühstück in den Kühlschrank gestellt und sich in die Weihnachtsferien verabschiedet.

Die Nacht ist erneut eher unruhig. Offensichtlich sind Feuerwerkskörper bereits frei verkäuflich. Immer mal wieder werden Raketen gezündet. Leider gefällt das den zur Lodge gehörenden Hunden noch weniger als uns, so dass das Geknalle noch von Hundegebell untermalt wird.


Mittwoch, 25.12.2019 Transfer nach Coca - Amazonas-Gebiet (Oriente)

Nachdem wir unser provisorisch zubereitetes Frühstück eingenommen haben, werden wir erneut pünktlich abgeholt und zum Flughafen gefahren. Leider hat der Flieger nach Coca 2 1/2 Stunden Verspätung. Nach einem 20minütigen Flug landen wir in Coca wie San Francisco de Orellana auch genannt wird.

Wir befinden wir uns in der Region Oriente - dem Regenwald-Gebiet Ecuadors. Nur etwa 90.000 Menschen leben in der Provinz, darunter einige ursprüngliche Regenwald-Völker.

Coca

Erstmals bekommen wir die hohe Luftfeuchtigkeit zu spüren. Von Coca werden wir fünf Minuten per Bus zum Bootsanleger gefahren. Mit einem motorisierten Kanu fahren wir den Napo etwa 70 Kilometer flussabwärts.

Der Napo ist der breiteste Amazonaszufluss und damit auch der wichtigste Fluss des ecuadorianischen Regenwalds. Besonders tief ist der schlammbraune Fluss nicht, so dass immer mal wieder kleine grün bewachsene Inseln oder Sandbänke aus dem Wasser ragen. Der erfahrene Kapitän lotst uns gewandt im Zickzack gegen die starke Strömung über den Fluss. Immer wieder schwimmen Holzstämme oder Äste auf dem Wasser.

Amazonas Regenwald

Im Fahrtwind lässt sich das Klima gut ertragen. Der in Coca noch wolkenlose Himmel wird schon bald von einigen Regenwolken überzogen. Erfreulicherweise bieten uns einige Planen, die wir als Seitenwände herunterlassen können, Schutz vor dem einsetzenden Regen.

Abgesehen von einigen kreisenden Vögeln bekommen wir von der Tierwelt nicht viel mit. Immer mal wieder tauchen Bootsanleger einiger im dichten Dschungel versteckt liegender Lodges auf.

Später sehen wir einige Tanklaster auf größeren Booten, offensichtlich Standorte einiger Ölfirmen. Nach etwa zweistündiger Fahrt legt das Kanu an.

UNESCO WeltnaturerbeWir befinden uns im riesigen Yasuní Nationalpark (9.620 qkm Fläche). Ein Landschaftsbild von Feuchtgebieten, Marschen, Sümpfen, Seen, Flüssen, tropischem Regenwald und natürlich eine unglaublichen Artenvielfalt prägen den Park, der bereits 1979 von der UNESCO zum Nationalpark erklärt wurde.

Abgesehen von einem kleinen Anleger ist nichts zu erkennen. Zunächst erhalten wir Gummistiefel und unsere Koffer werden auf eine Schubkarre geladen. Durch dichten Dschungel folgen wir dem lehmigen mit Pfützen übersäten Pfad zur Lodge.

Diese Ecolodge liegt im Kichwa-Dorf am Río Napo und wird von der Añangu Kichwa-Gemeinde betrieben. Es gibt vier mit Palmenblättern gedeckte Gästehäuser, die jeweils vier Zimmer haben. Die Zimmer sind mit viel Holz liebevoll eingerichtet.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, findet mit einem Naturguide eine kleine Wanderung zu einem Aussichtsturm statt. Bei der hohen Luftfeuchtigkeit ist der Aufstieg etwas beschwerlich. Auf über 40 m Höhe blicken wir über die Baumwipfel, im Hintergrund fließt der Napo.

Napo - Regenwald

Der Naturguide erspäht mit seinem Fernglas viele unterschiedliche Vögel, darunter Tukane und Papageien. Vom Panoramablick und der vielfältigen Vogelwelt sind wir ganz begeistert.

Tukan

Anschließend gibt es ein erstaunlich leckeres Abendessen. Im Anschluss daran ziehen wir uns zurück. Nachts können wir wunderbar den Geräuschen der Natur lauschen.


Donnerstag, 26.12.2019 Yasuní Nationalpark

Um 7:00 beginnt der erste Ausflug. Leider fängt es fast gleichzeitig an zu regnen. Dem Regen zum Trotz werden wir mit Regenponchos ausgestattet und mit dem Motorkanu in den Nebenfluss des Napo gefahren. Dieser sogenannte Schwarzwasserbach unterscheidet sich schon farblich. Beim Napo Cultural Center steigen wir in ein kleineres Kanu um und beginnen unsere Kanuexkursion. Wir paddeln auf dem zum Teil sehr schmalen Fluss tief in den dichten Regenwald hinein. In dem sauren (durch Huminsäuren), schlammigen Wasser ist kein Leben zu erkennen. Diese Gewässer sind äußerst nährstoffarm. Die Huminsäuren lassen kaum pflanzliches und tierisches Leben entstehen, allerdings gibt es wohl Piranhas.

Affe

Aus dem dichten Wald dringen Vogelstimmen, der Ruf der Zikaden und das Brüllen der Brüllaffen. Es riecht intensiv nach sattem Blattgrün und nassem Holz. In den Bäumen können wir immer wieder Vögel und kleine Affen beobachten.

Der Fluss verengt und wird von einem Dach aus Bäumen wie ein Tunnel bedeckt, nur gelegentlich durchstoßen vom Sonnenlicht. An anderen Stellen scheinen riesige Luftwurzeln nach dem Fluss zu greifen, und schon nach der nächsten Biegung reißt das Sichtfeld auf und Urwaldriesen spiegeln sich im Fluss. Schon bald ändert sich die Vegetation. Die Strömung lässt nach und das ruhige Wasser überschwemmt die umstehenden, etwas niedrigeren Bäume. Ein Highlight ist eine junge Anakonda-Schlange, die unser Naturguide erspäht.

Erfreulicherweise hört es auf zu regnen. Es ist toll, mit dem Kanu durch das stille Wasser zu gleiten und den vielseitigen Geräuschen der Natur zu lauschen.

Nach etwa zweistündiger Fahrt drehen wir um. Mit der Strömung geht die Rückfahrt etwas schneller. Es war ein einmaliges Erlebnis, so tief in den Dschungel einzutauchen. Erneut tauschen wir das Boot und fahren motorisiert zur Lodge zurück.

Nach einer nachmittäglichen Siesta startet eine Wanderung direkt von der Lodge aus. Mit den Gummistiefeln stapfen wir durch den Morast und erleben hautnah den dichten Dschungel. Unser Guide erklärt eine Menge über die hiesige Flora und wie die Einheimischen diese verwenden. Auch einige ungewöhnliche Insekten gibt es zu sehen. Vögel und Affen zeigen sich uns lediglich einige wenige. Interessant sind die riesigen Fächerwurzelbäume, deren Wurzeln sich über 100 m vom Stamm entfernt ausbreiten, da der steinlose Boden in der Tiefe keine Nährstoffe hat. Später kommen wir an Kaffeepflanzen und Kakaobäumen vorbei. Auch eine Maisplantage haben die Einheimischen angelegt.


Freitag, 27.12.2019 Yasuní Nationalpark

Erneut heißt es früh aufstehen. Um 6:30 h beginnt unsere Kanutour zu den Napo River Clay Licks. Hierbei handelt es sich um Lehmwände am Flussufer, die von Papageien als Salzstellen genutzt werden. An die hundert Vögel sitzen am Hang oder flattern herum.

Napo River Clay Licks

Leider können wir das Schauspiel nur etwa eine Viertelstunde beobachten. Alle grünen Papageien flattern davon, als sich ein kleiner Habicht auf einem nahe gelegenen Ast niederlässt.

Am Ufer können wir noch einigen Brüllaffen zusehen, bevor es weiter geht. Kurz darauf sehen wir einen Kormoran und zwei pinkfarbene Wasservögel.

An einem unscheinbar aussehenden Anleger legt das Kanu an. Ein gut ausgebauter Weg führt zu einer Vogelbeobachtungshütte. Zum Stillsein verurteilt starren wir ins grüne Dickicht. Minutenlang passiert gar nichts, außer, dass wir uns langweilen.

Papagei

Endlich flattert ein roter Papagei heran und setzt sich vor uns auf den Lehmboden. Weitere folgen und wir können sechs Papageien aus nächster Nähe beobachten. Grandios!

Zurück an der Lodge besuchen wir das "Kuri Muyu" Interpretationscenter, das von den Frauen der Kichwa-Gemeinde betrieben wird. Hier erfahren wir etwas über das Leben im Dschungel. Die unterschiedlichsten selbst erstellten Gebrauchsgegenstände werden vorgeführt und wir dürfen den traditionellen Tee "Wayusa" trinken und kleine gegrillte Snacks probieren.

Nach dem Mittagessen verbringen wir die heißen Stunden erneut mit einer Siesta. Es ist erstaunlich, wie anstrengend Aktivitäten bei derart hoher Luftfeuchtigkeit sind.

Napo - Regenwald

Mit dem Motorkanu fahren wir erneut den Fluss weiter abwärts. Nach einer Anlandung wandern wir den Hügel hinauf und erreichten nach etwa 20 Minuten einen weiteren etwa 40 m hohen Aussichtsturm. Ein fantastischer Panoramablick über den dichten Regenwald eröffnet sich uns. Sehr schön schlängelt sich der Napo durch den grünen Dschungel. Viele Vögel zeigen sich zwar nicht, aber allein die Atmosphäre ist atemberaubend. Am Himmel ziehen dunkle Wolken auf und sogar ein kleines Stück von einem Regenbogen ist zu erkennen. Auf der Rückfahrt genießen wir einen wundervollen Sonnenuntergang über dem Fluss.

Gerade noch erreichen wir trockenen Fußes die Lodge, bevor das Unwetter beginnt. Immerhin sind wir tagsüber von Regen verschont geblieben, stattdessen regnet es fast die ganze Nacht.

Von unserem Regenwald-Trip sind wir ganz begeistert. Es ist ein erhabenes Gefühl, den größten Urwald - die Lunge der Erde - hautnah zu erleben. Umgeben von endlosem grünen Wald fühlt man sich ganz klein.


Samstag, 28.12.2019 Transfer Quito - Andenregion: Lasso / Cotopaxi

Mit dem Motorkanu werden wir nach Coca zurückgefahren und können noch einmal - diesmal ohne Regen - die ursprüngliche Landschaft an uns vorbeiziehen lassen.

Der Flieger geht diesmal pünktlich, so das wir am frühen Nachmittag in Quito landen. Am Flughafen nehmen wir nach endlosen Formalitäten den gebuchten Avis-Mietwagen in Empfang. Erfreulicherweise ist die gebuchte Kategorie nicht verfügbar, so dass wir einen Geländewagen erhalten. So sind wir bestens ausgerüstet für die Erkundung der Andenregion (Sierra).

Die beiden von Nord nach Süd verlaufenden Gebirgsketten der Anden mit dem Chimborazo (6310 m) als höchstem Berg und der Hauptstadt Quito im Norden formen die Region der Sierra. Hier liegen über 30 teils noch aktive Vulkane. Der 5897 m hohe Vulkan Cotopaxi ist einer der höchsten aktiven Vulkane der Erde.

Mit Google Maps lassen wir uns nach Lasso in der Nähe des Cotopaxi Nationalparks navigieren. Die Karten hatten wir bereits im Vorfeld heruntergeladen und sind froh, dass dies prima im Offline-Modus funktioniert.

Der Verkehr und die Fahrweise ist für uns anfangs gewöhnungsbedürftig. Schon bald erreichen wir die Panamericana, der wir nach Süden folgen. Sehr irritierend sind zunächst die Straßenverkäufer, die mit bunten Fahnen wedeln, um auf sich aufmerksam zu machen. Überall gibt es private Obstverkäufer, die ihre Früchte anbieten.

Am heutigen Samstag herrscht weniger Verkehr. Endlose Kilometer ziehen sich die Außenbezirke von Quito durch das Hochtal. Später fahren wir an kleineren Siedlungen vorbei. Der aufziehende Regen verwehrt uns die Sicht auf die Landschaft. Die grünen Gipfel sind in Wolken gehüllt.

Bei Lasso verlassen wir die bis hierhin gut ausgebaute Panamericana. Unser Tagesziel, die Hacienda la Ciénega liegt etwa zwei Kilometer hinter dem Ort. Ärmliche Behausungen säumen die Straßen, das Vieh grast (angepflockt) am Straßenrand. Viele Hunde streunen herum. Frauen waschen im Fluss ihre Wäsche und einige indigene Greisinnen haben große Grasbüschel geschultert. Auch an riesigen Gewächshäusern kommen wir vorbei, wo allem Anschein nach Rosen angebaut werden. Ecuador gehört weltweit zu den größten Exporteuren von Schnittblumen. Fast die Hälfte davon sind langstielige Rosen.

Hazienda

Über eine beeindruckende Eukalyptus-Allee erreichen wir die unerwartet herrschaftliche Hazienda. Diese wurde bereits 1580 erbaut (gehört zu den ältesten Südamerikas) und hat eine bewegte Geschichte. Unter anderem soll Alexander von Humboldt 1802 hier im Garten seine Cotopaxi Zeichnungen gefertigt haben. Das Anwesen war zu der Zeit jedoch völlig zerstört - ein Erdbeben hatte dieses fünf Jahre zuvor zerstört. In der wieder aufgebauten Hacienda logierten im Lauf der Jahrhunderte u.a. zahlreiche Staatspräsidenten. Die großen Zimmer sind mit Möbeln aus dem 19. Jahrhundert bestückt und haben erfreulicherweise einen Kamin. Meterdicke Lehmwände sorgen für eine entsprechende Kühle. Doch dank zweier mobiler Heizkörper und dem abends angezündeten Kamin lässt es sich aushalten. Wunderschön ist die gepflegte Gartenanlage. Abends speisen wir herausragend im ecuadorianischen Restaurant.

Lasso liegt auf über 3.000 m Höhe. Von der Höhenkrankheit sind wir bisher verschont geblieben, nachts schlafen wir allerdings nicht so gut, was wir der sauerstoffarmen Luft zuschreiben.


Sonntag, 29.12.2019 Machachi - Cotopaxi NP - Laguna Limpiopungo

Nach dem Frühstück fahren wir auf der Panamericana zur nördlich gelegenen Stadt Machachi. Dieses landwirtschaftliche Zentrum liegt am Fuß des schroffen Vulkans Rumiñahui (4712 m). Durch ein Gewirr aus Einbahnstraßen erreichen wir das Stadtzentrum. In einer Seitenstraße finden wir einen bewachten Parkplatz; ideal um den heute stattfindenden Sonntagsmarkt zu besuchen. In den riesigen Markthallen decken sich die Einheimischen mit Lebensmitteln, aber auch mit Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs ein.

Machachi - Markthalle

Es herrscht ein lebhaftes Treiben und wir fallen in dem Gewühl als Touristen regelrecht auf. Für uns ungewöhnlich liegt das rohe Fleisch oder gefüllte Hühner ungekühlt auf den Tischen. Alte, oft zahnlose Frauen in typischer Tracht verkaufen ihre landwirtschaftlichen Produkte. An einigen Ständen werden Speisen gekocht oder Fruchtsäfte angeboten. Ein sehr schönes, farbenfrohes Erlebnis.

Von hier geht es weiter zum Cotopaxi Nationalpark. Bislang haben wir diesen berühmten Gipfel noch nicht zu Gesicht bekommen. Nachdem wir Machachi verlassen haben wird die Straße zusehends schlechter. Ein wenig zweifeln wir, ob wir uns für die richtige Zufahrt entschieden haben. Rechts und links der Straße wird Landwirtschaft betrieben. Die Tiere stehen angepflockt auf nicht eingezäunten Wiesen. Dazwischen immer wieder einfache Wohnhäuser. Immerhin kommen uns einige Touranbieterbusse entgegen. Später kommen wir an einigen Haziendas vorbei, die Unterkünfte und Pferdeausritte anbieten und auch jede Menge unscheinbare Restaurants bieten ihre Speisen an.

Cotopaxi

Wie aus dem Nichts löst sich die Wolkendecke auf und die schneebedeckte Spitze des Cotopaxi taucht plötzlich auf. Der 5897 m hohe Vulkan ist zwar nur der zweithöchste Ecuadors, berühmt ist er aber wegen seinem beinahe perfekt geformten Vulkankegel.

Auf der holprigen Weiterfahrt genießen wir noch ein paar schöne Blick auf den ausnahmsweise einmal fast wolkenfreien Vulkan. Am Nordeingang des Cotopaxi werden wir mit Passnummer in einem Computer registriert. Offenbar möchte man wissen, wer sich bei einem möglichen Vulkanausbruch im Nationalpark aufgehalten hat.

Kurz darauf werden wir von zwei Fahrradfahrern angehalten. Den anstrengenden Aufstieg unterschätzt, sind sie dankbar für eine Mitfahrgelegenheit zur Laguna Limpiopungo. So kommt den beiden Deutschen der für uns ansonsten überflüssige Pickup sehr gelegen.

An einer Weggabelung führt die Straße links auf den Cotopaxi (es gibt einen Parkplatz auf 4.200 m Höhe) und rechts zur auf 3830 m Höhe gelegenen Laguna Limpiopungo. Wir folgen der hier besser ausgebauten Straße zur Lagune. Im Hintergrund erhebt sich die Felszacken-Halbkrone des 4675 m hohen Rumiñahui. Einige Wasservögel können hier beobachtet werden. Am Ufer weiden Wildpferde und Kühe. Wir folgen dem 2,6 km langen Rundweg um die Lagune und genießen schöne Ausblicke auf den Cotopaxi, dessen Spitze mehr und mehr in Wolken gehüllt wird. Die über 3.800 Höhenmeter machen sich beim Laufen nun schon bemerkbar. Schon der kleinste Aufstieg lässt den Puls rasant ansteigen.

Laguna Limpiopungo

Die weitere Fahrstrecke zurück nach Lasso ist problemlos zu meistern und schon bald erreichen wir eine rechte neue geteerte Straße. Ein kurzer Stopp im Besucherzentrum ist durchaus lohnenswert. Jede Menge Schautafeln informieren über Vulkanismus und die Region.

Schon bald erreicht uns ein Regenschauer. Unser Timing hätte nicht besser sein können!

Der Regen ist jedoch auch schnell wieder vorbei und so erfreuen wir uns nachmittags an der wunderschönen Gartenanlage der Hazienda.


Montag, 30.12.2019 Lagune Quilotoa - Baños de Aqua Santa

Eine niedrig hängende Wolkendecke hüllt auch am heutigen Morgen die Gipfel der umliegenden Gebirgeszüge ein.

Die Strecke nach Sigchos führt über zahlreiche Serpentinen durch eine schroffe und sehr steile Gebirgslandschaft. Selbst die steilsten Hänge werden landwirtschaftlich genutzt. Die Straße ist gut ausgebaut. Volle Aufmerksamkeit ist gefragt, denn nur selten schützt eine Begrenzung vor dem steilen Abgrund und an mehreren Stellen ist der Asphalt weggebrochen. Im ewigen steilen Auf und Ab schlängelt sich die Straße durch die grandiose und offensichtlich äußerst fruchtbare Landschaft.

Anden - Felder

Ein Flickenteppich aus grünen Wäldern, Sträuchern und Bäumen überzieht die Hänge. Immer wieder können wir Menschen beim Bestellen ihrer steil gelegenen Felder beobachten. Selbst die Kühe, Schafe und Ziegen müssen akrobatische Meisterleistungen vollbringen, um nicht in die Tiefe hinabzustürzen. Zwischendrin liegen vereinzelt einige Andendörfer mit ärmlichen, oft fensterlosen und halbfertig wirkenden Häusern. Die bunte Wäsche trocknet im Wind. Einige Wolken ziehen bis tief in die Täler hinab, immer mal wieder sitzen Kinder am Straßenrand und winken uns fröhlich zu.

Nach etwa einer Stunde erreichen wir Sigchos (50.000 Einwohner), das Zentrum der Region. Eine typische, sehr farbenfrohe und von wenig Wohlstand zeugende Kleinstadt.

Der kleine Ort Chugchilan bietet eine gewisse touristische Infrastruktur für Bergwanderer und Mountainbiker. Kurzzeitig verwehrt uns eine Wolke und Nieselregen weitere Landschaftsblicke.

Die kurvenreiche Fahrt ist zwar sehr zeitaufwändig, aber aller Mühen wert. Die vielfältigen Impressionen des harten Lebens der Bergbevölkerung und die grandiose, raue Landschaft sind unbeschreiblich beeindruckend.

Quilotoa (3854 m Höhe) erreichen wir leider im Regen. Waren wir bislang noch relativ alleine unterwegs, haben sich hier bereits etliche Touristen von Latacunga aus eingefunden. Der Ort hat zumindest erkannt, dass man mit Tourismus Geld verdienen kann. So wird bereits am Ortseinfahrt 3$ Eintritt verlangt. Dafür dient der komplette Ortskern als Parkfläche.

Attraktion ist der gleich hinter dem Dorf auf 3570 m Höhe gelegene Vulkankratersee. 

Vor dem Regenschauer Schutz suchen wir in der Touristeninfo. Die Info besteht allerdings nur aus einer Wanderkarte rund um die Lagune. Darüberhinaus gibt es gebührenpflichtige Toiletten (für 50 Cent erhält man immerhin auch Toilettenpapier) und einem großen Verkaufsshop mit allerlei Handwerksprodukten und Alpaka-Strickwaren.

In einem ziemlich provisorisch eingerichteten Café wärmen wir uns bei Café und heißer Schokolade auf. Trotz Regen gehen wir zur Aussichtsplattform. Von der Lagune ist zunächst kaum etwas zu erkennen. Doch erfreulicherweise hört es schon bald auf zu regnen.

Lagune Quilotoa

Die sich auflösende Wolkendecke gibt nach und nach immer mehr von der Lagune preis. Einen kleinen Eindruck erhalten wir von der Farbintensität der durch Mineralien smaragdgrün eingefärbten Lagune. Ein steiler Kraterrand rahmt die Lagune nahezu kreisrund ein. Zum Seeufer führt ein steiler Weg 280 Höhenmeter hinab. Wer angesichts der Höhe den Aufstieg nicht mehr schafft, lässt sich von einem Maulesel oder Pferd hinauftragen. Von einer weiteren Aussichtsplattform beobachten wir die sich angesichts des Wolkenspiels verändernden Farben des Wassers.

Offensichtlich haben wir noch ein halbwegs akzeptables Zeitfenster erwischt, denn als wir wieder im Auto sitzen schüttet es regelrecht.

Auf der Weiterfahrt über Zumbagua wechseln sich Regen und Sonne ab. So erfreuen wir uns an weiteren schönen Impressionen u. a. von tiefen, steilen Schluchten. Auf der E30 kommen wir zügiger voran. Bald eröffnet sich uns ein Ausblick auf Latacunga (50.000 Einwohner), das sich auf einer Hochebene ausbreitet.

Ständig versuchen mit bunten Masken und lustigen Kostümen verkleidete Kinder die Autos zu stoppen, um offensichtlich ein paar Münzen zu erbetteln. Das über die Straße gespannte Seil wird aber schnell wieder heruntergelassen. Wie wir später nachlesen, sind die Kinder ihrer Zeit etwas voraus. Die sogenannten „Kinder-Zölle“ sind ein Silvesterbrauch. Am 31. Dezember dürfen sie „Schranken“ errichten, an denen die Erwachsenen dann Wegzölle bezahlen müssen.

Obststand

Auf der Panamericana geht es weiter in Richtung Baños. Wieder einmal wird deutlich, dass diese bekannte Straße die Lebensader des Kontinents ist und wie eine Perlenschnur reihen sich kleine und große Städte hieran entlang. Außerhalb der Ortschaften gibt es immer wieder selbst gebaute Straßenverkaufsstände. Menschen laufen mit ihren Einkäufen am Straßenrand entlang oder warten an Bushaltestellen auf die Verbindung zur nächsten Stadt.

Zu allen Seiten erheben sich meist in Wolken gehüllte Gipfel. Inzwischen hat es aufgehört zu regnen und einige wunderschöne intensive Regenbögen überspannen den Himmel.

Auf einem 1800 m hohen Talvorsprung über dem Río Pastaza, eingekesselt von steil aufragenden Höhenrücken, liegt der Ort Baños de Aqua Santa, unser Tagesziel. Das kleine quirlige Städtchen liegt am Fuße des 5016 m hohen aktiven Vulkans Tungurahua und ist bekannt für seine Thermalquellen und Wasserfälle.

Das Sangay Spa Hotel liegt direkt gegenüber der Wasserfalls Cabellera de la Virgin. Das Hotel selber hat allerdings wenig Charme und natürlich ist der Standard eines Wellnesshotels nicht mit dem uns sonst bekannten deutschen zu vergleichen.

Abends schlendern wir durch die Stadt. Schnell wird klar, dass diese wenig zu bieten hat und von aufdringlichen Touranbietern, billig wirkenden Massage-Salons, meist preiswerte Unterkünften, Kneipen und vielen Souvenir-Läden geprägt ist. Viele Touristen kommen aufgrund der Thermalquellen, aber auch wegen des umfangreichen Angebot an Outdoor-Aktivitäten hierher. Das gastronomische Angebot ist allerdings vielfältig. Wir entscheiden uns für eine einfache Pizzeria.


Dienstag, 31.12.2019 Baños de Aqua Santa - Ruta de las Cascadas

Heute erkundigen wir die schroffe Andenregion. Die Straße von Baños nach Puyo ist eine der dramatischsten in der Region und hat nicht ohne Grund den Spitznamen „La Ruta de las Cascadas“ (Straße der Wasserfälle). Sie verläuft entlang der Schlucht des Río Pastaza, die von Baños in 1800 m Höhe stetig bis auf 950 m bei Puyo abfällt. In der von hohen Bergen eingerahmten Schlucht gibt es mehr als ein Dutzend Wasserfälle.

Pailón del DiabloBesonders spektakulär ist der Pailón del Diablo (Teufelskessel) in Río Verde. Es gibt zwei Zuwege, einer führt von unten heran, der andere eröffnet den Ausblick von oben und beide haben ihren Reiz. Von Hängebrücken blickt man auf die gewaltigen Wassermassen, die sich in die steilen Felswände gefressen haben.

Wir folgen der Straße bis Río Negro. Hier kann man erneut einen Vegetationswechsel feststellen, diese erinnert immer mehr an unser tropisches Regenwalderlebnis.

Am Wasserfall Manto de la Novia legen wir einen Stopp ein. Mit etwas Überwindung steigen wir in eine Drahtseilbahn-Gondel (deutsche TÜV-Standards kennt man hier sicherlich nicht) und gleiten über die tiefe Schlucht des Río Pastaza. Vor dem Wasserfall bleibt die Gondel stehen, damit wir den Blick auf den Wasserfall genießen können. Es werden auch Canopy-Touren angeboten, bei denen man direkt am Seil hängend die Schlucht überquert. Nichts, was uns reizt!

Wir hatten ja bereits mitbekommen, dass in Ecuador an Silvester sozusagen „Narrenfreiheit“ herrscht. Zu den Kindern haben sich heute auch noch als Frauen verkleidete Männer gesellt. Diese stellen übertrieben ihre „Weiblichkeit“ zur Schau und tanzen vor den Autos auf der Straße. So kommen wir auf der Rückfahrt kaum vorwärts, weil die Autos alle 50 m angehalten werden und sich ein ziemlicher Rückstau bildet.

Ein Abstecher nach Runtun ist absolut lohnenswert. Wieder können wir die fantastische Andenlandschaft genießen. Erneut fahren wir an steilen landwirtschaftlich genutzten Flächen und Gewächshäusern vorbei. Einen sehr schönen Blick auf Baños bietet der Bellavista. Der Straße weiter stetig bergauf folgend genießen wir auf über 2.600 m Höhe einen tollen Ausblick auf die Gebirgskulisse. Das absolute Highlight ist das Baumhaus La Casa del Arbol mit der berüchtigten Schaukel am Abgrund.

Baumhaus

Einigermaßen gesichert kann man sich über den Abgrund schwingen lassen. Ein grandioses Erlebnis.

Leider müssen wir die 10 Kilommeter lange Bergstrecke wieder komplett zurückfahren und auf der E30 ist der Verkehr unverändert zähfließend.

Uns waren bereits die vielen menschengroße Puppen aus Holz oder Papier aufgefallen, die überall auf den Straßen verkauft werden. Ein weiterer Silvesterbrauch ist es, das alte Jahr zu verbrennen. Um Mitternacht werden die Puppen als Symbol des alten Jahres angezündet, um böse Geister zu vertreiben und alles Schlechte aus dem letzten Jahr hinter sich zu lassen.

Schlucht

Zurück im Hotel halten wir erst einmal Siesta. Schon am Nachmittag herrscht am Pool Partystimmung. Laute Musik beschallt den Innenhof und an der Bar werden Cocktails serviert.

Abends schlendern wir noch durch die Straßen. Die ganze Stadt scheint auf den Beinen und es wird zum Teil sehr ausgelassen gefeiert. An Straßenständen werden Silvesterknaller, Masken und Weintrauben verkauft. Nach Mitternacht ißt man in Ecuador traditionell 12 Trauben. Bei jeder Traube, die man sich in den Mund schiebt, darf man sich für einen Monat im nächsten Jahr etwas wünschen. Die Menschen sind zum Teil verkleidet oder tragen Masken, was uns eher an Karneval erinnert. Überall wird lautstark Musik gespielt, die sich gegenseitig zu übertönen versucht. Wir werfen auch einen Blick in die Basilika. Hier findet eine Abendmesse statt. Diese ist gut besucht. Alle Bänke sind besetzt und es wird fröhlich gesungen.


Mittwoch. 01.01.2020 Baños de Aqua Santa - Guaranda - Cuenca

Am heutigen Neujahrsmorgen sind schon wieder viele Menschen in Baños unterwegs.

Die gut ausgebaute Bolivar E491 führt mit vielen Windungen den Berg hinauf. Hierbei durchqueren wir viele kleine Orte und Andendörfer. Verkaufstüchtig werden an aus halben Ölfässern selbstgebauten Grills beispielsweise Maiskolben, Bananen oder aufgespießte Meerschweinchen gegrillt und zum Verkauf angeboten. Leider ist es heute stark bewölkt, so dass wir teilweise im Nieselregen durch Wolken fahren.

So umrunden wir zwar das Chimboraza-Massiv, ohne jedoch die Spitze des mit 6310 m Höhe höchsten Gipfel der ecuadorianischen Anden zu sehen. Der eigentliche Augenschmaus für Andenliebhaber, wie es ein Reiseführer so nett beschreibt, zeigt sich uns nicht.

Wie aus dem nichts reißt es plötzlich ein wenig auf und die Sonne kommt durch. So bekommen wir doch noch ein paar schöne Eindrücke der schroffen Gebirgslandschaft. Allerdings nur temporär. Schon bald darauf schüttet es wie aus Eimern. Vereinzelt suchen Einheimische neben der Straße unter einer Plane Schutz vor dem Regen.

Baumgrenze

Bald erreichen wir die Baumgrenze. Die sanften Hügel sind von Steppe überzogen, auf denen immer mal wieder Kühe weiden. Selbst in dieser lebensfernen Einöde stehen vereinzelt Häuser, zum Teil provisorisch ans Stromnetz angeschlossen, aber wohl ohne fließendes Wasser.

Die 20.090 Einwohner zählende Stadt Guaranda, die wir nach 120 Kilometern erreichen, wirkt nach so viel fast purer Natur beinahe deplatziert, eignet sich aber hervorragend für einen Tankstopp.

Der nächste Streckenabschnitt in Richtung Riobomba ist leider weniger gut ausgebaut und wesentlich kurviger, bietet aber zumindest ein paar schöne Landschaftsimpression und eine noch dünnere Besiedlung.

Unsere Vorfreude auf die Panamericana wird leider bitter enttäuscht. Der Streckenabschnitt nach Cuenca ist in gar keinem guten Zustand und extrem kurvig. Erschwerend kommt hinzu, dass es in den Höhenlagen zum Teil so nebelig ist, dass kaum die Rücklichter der voraus fahrenden Autos zu erkennen sind.

So haben wir einen äußerst anstrengenden Fahrtag und ärgern uns zudem, den zeitaufwändiger Umweg über Guaranda gemacht zu haben, was bei derart eingeschränkter Sicht für die eineinhalb Stunden zusätzlichen Fahraufwand nicht entschädigt wurde.

In der Dämmerung erreichen wir Cuenca und sind froh, die anstrengende Fahrt heile überstanden zu haben. Das ruhig gelegene Hotel Cuenca Suites liegt am Rande der Altstadt.

Am heutigen Feiertag haben viele Restaurants geschlossen, so landen wir in einem asiatischen Restaurant in der Nähe des Hotels.


Donnerstag, 02.01.2020 Cuenca

UNESCO WeltnaturerbeDer Altstadtkern von Cuenca (ca. 400.000 Einwohner) gehört seit 1999 zur Liste der UNESCO Weltkulturerbestätten. Das Straßenbild der drittgrößten Stadt Ecuadors prägen wunderschöne republikanische Stadthäuser mit zahlreichen französischen Bauelementen, dazwischen gelegentlich mit deutschen und neoklassizistischen Akzenten sowie kolonialer Architektur vor allem in den zahlreichen Kirchen und einigen prächtigen Patiohäusern. Allerdings wirkt die Stadt keineswegs wie ein Museum. Die Fassaden sind nur vereinzelt restauriert, die meisten versprühen eher einen morbiden Charme.

Cuenca

Mitten in der Altstadt liegt der kleine Park Abdón Calderón, an dem sowohl die alte als auch die neue Kathedrale liegen.

Die neue Kathedrale sollte ursprünglich das größte sakrale Bauwerk Lateinamerikas werden (Baubeginn 1886), aber ein architektonischer Fehler verhinderte dies. Die Türme des 105 m hohen und 55 m breiten Baus durften aus statischen Gründen nicht höher als 65 m gebaut werden. Die himmelblauen Mosaikkuppeln wirken auf dem sandsteinfarbenem Gebäude etwas deplatziert. Innen beeindruckt ein bombastisches Gewölbe aus hellem Alabaster und rosafarbenem Marmor sowie die vergoldete, frei stehende Halbkuppel über dem Altar. Über eine Wendeltreppe gelangt man auf den Turm und genießt einen schönen Ausblick auf die Stadt. Die Berge, die sich in der Ferne zu sehen sind, werden zum größten Teil von Wolken bedeckt.

Die alte Kathedrale liegt gegenüber und ist heute ein Museum und durchaus auch einen Besuch wert. Neben vielen hölzernen Figuren und einigen restaurierten Wandbemalungen befindet sich hier auch die älteste Orgel Ecuadors.

Wir steigen zum Fluss Tomebamba hinab und haben vom gegenüberliegenden Ufer einen tollen Blick auf ein schöne Häuserzeile.

Cuenca

In der Calle Larga besuchen wir die Hutmanufaktur Rafael Paredes y Hijos. Im dazugehörigen Museo Sombreros Barranco bekommt man einen kleinen Einblick in die Herstellung der weltbekannten Panama-Hüte, die ursprünglich tatsächlich aus Ecuador kommen. Im Verkaufsraum gibt es zahlreich Modelle zur Auswahl. Die besonders hochwertigen aus knickfestem, feinem Material sind hinter Verschluss und kosten über 1.000 $. Uns reicht die einfache Ausfertigung für 25$ als Erinnerungsstück allemal. Eine Treppe führt hinauf zur Dachterrasse, die ebenfalls einen schönen Ausblick bietet.

Etwas Ruhe finden wir mittags in einem netten Patio nahe der Kathedrale. Das französische Bistro bietet leichte Speisen ganz nach unserem Geschmack.

Nach einer Siesta speisen wir abends hervorragend ecuadorianisch im Restaurant El Mercado in der Calle Larga.


Freitag, 03.01.2020 Cuenca - Machala Pazifikküste

Unsere letzte Station liegt an der Pazifikküste, südlich von Guayaquil. Als wir in Cuenca aufbrechen liegt der Gipfel des El Cajas Nationalparks auch heute in Wolken gehüllt. So sparen wir uns den zeitaufwändigen Abstecher zum für seine zahlreichen Lagunen bekannten Park.

Auf der Fahrt genießen wir erneut das imposante Bergpanorama. Die Straße führt stets bergab. Alsbald ändert sich das Landschaftsbild kolossal. Wir durchqueren eine vegetationsarme Gesteinswüste, die in vielfältigen Gesteinsfarben leuchtet und uns sehr stark an Landschaften in den USA, wie beispielsweise Death Valley erinnern. Abgesehen von ein paar Kakteen sind kaum Pflanzen zu sehen.

Halbwüste

Nach einigen Kilometern kehrt die Fruchtbarkeit zurück und die Berge sind wieder grün.
Bald erreichen wir die „Bananenregion“. An vielen Straßenständen werden überwiegend Bananenstauden angeboten. Im steten Bergab wird die Landschaft zusehends flacher.

Eine kleine Stippvisite gilt dem Ort Pasaje (etwa 50.000 Einwohner). Wir müssen feststellen, dass der ärmlich wirken Ort so gar keinen Charme hat. Der Ort gilt als Wohnstadt vieler Arbeiter, die von hier ins 20 Kilometer entfernt liegende Machala pendeln.

Auf dem letzten Wegstück nach Machala fahren wir kilometerlang an Bananenplantagen entlang.

Machala (ca. 250.000 Einwohner) gilt als Welthauptstadt der Banane und verdankt seine Größe fast ausschließlich dem oro verde (grünen Gold), womit andernorts halbreife Bananen gemeint sind. Schicke Hochhäuser oder interessante historische Bauwerke gibt es keine. Die von Industrie geprägte Stadt strahlt auf uns bei der Fahrt zum Hotel so gar keinen Charme aus und wir sind sehr gespannt, was uns erwartet. So erwartet uns eine positive Überraschung, als wir nach einer Zickzackfahrt das *****Hotel Oro Verde Machala erreichen und eine schöne Rückzugsoase vorfinden. Bei hier tropischen Temperaturen relaxen wir nachmittags am Pool.


Samstag, 04.01.2020 Machala - Jambeli

Heute fahren wir zum Seehafen Puerto Bolívar. Hinter den hohen Mauern des gut geschützten Industriehafens stapeln sich die Container. Rund 80 % des gesamten ecuadorianischen Bananenaufkommens wird von hier verschifft.

Jambeli Mangroven

Der Pazifikküste vorgelagert liegt das Jambelí-Archipel. Vom Hafen setzen regelmäßig Boote zur Hauptinsel über. Die Inseln sind bei Einheimischen ein beliebtes Wochenendausflugsziel.

Im dichten Mangrovengürtel, der die Inseln einfasst, sitzen zahlreiche Vögel, meist Kormorane, aber auch Pelikane und Reiher. Auch einige Fregattvögel ziehen ihre Kreise.

Am Anleger angekommen führt eine von Restaurants und Vekaufsständen gesäumte Straße zum Strand. Laute, basslastige Musik kündigt die 400 m lange Partymeile an. Hierauf waren wir zwar mehr oder weniger vorbereitet, dennoch nervt die ständige Ansprache der Bar- und Restaurantbesitzer. Dahinter liegt ein schmaler Streifen mit Sandsäcken gesicherter Sandstrand. Bunte Schirme schützen vor der aggressiven Sonneneinstrahlung. Kleine Motorboote bespaßen die Einheimischen, die sich in Schlauchboote hinterherziehen und durchschütteln lassen.

Jambeli

Die tropische Hitze und insbesondre die hohe Luftfeuchtigkeit machen selbst den Spaziergang am Strand zur Tortur und wir sind dankbar für jede Windboe.

Etwas abseits des „Strandvergnügens“ stehen die armseligen Hütten der Inselbewohner, umgeben von jeder Menge Unrat.

Die Mangroven lassen sich von hier nicht so richtig erschließen. Dafür müßte man ein Boot chartern und sich um die einzelnen Inseln herumfahren und in die einzelnen Kanäle hinein lassen. Da wir dieses Erlebnis bereits grandios auf den Galapagos-Inseln hatten, reizt uns dies hier nicht.

So belassen wir es bei unserem Kurzbesuch und fahren mit dem Boot wieder zurück.

Zurück im Hotel freuen wir uns über den entspannten Nachmittag am Pool.


Sonntag, 05.01.2020 Machala - Guayaquil

Wieder einmal heißt es Abschied nehmen. Unser Rückflug ab Guayaquil geht allerdings erst abends.

So bleibt noch etwas Zeit für einen Zwischenstopp im Mangrovenreservat Churute. Die Straßenqualität auf der E25 lässt erneut zu Wünschen übrig. Zudem gibt es recht viele Verkehrskontrollen, die wir zwar alle nach Vorzeigen unserer Papiere und einen Blick auf den Rücksitz passieren dürfen, dennoch kommen wir nur recht langsam voran.

Ein Informationszentrum des Reserva Ecológica Manglares Churute. liegt direkt an der E25. Nach vier Kilometern zweigt die unbefestigte Zufahrtsstraße ab. Vorbei an einigen ärmlichen Behausungen und landwirtschaftlich genutzten Flächen erreichen wir nach etwa zehn Kilometern das ehemalige und nun verwaiste Infozentrum. Offensichtlich ist aktuell keine Saison. Ein kurzer, gut ausgebauter Weg führt durch dichten Mangrovenwald. Im sumpfigen Boden hausen Krebse. Doch sobald wir uns nähern verziehen sich diese eiligst in ihre kreisrunden Löchern. Auch einige Ufer- und Wattvögel bekommen wir zu Gesicht. Weitere Wanderwege führen hinauf auf einen Berg, wo es Brüllaffen geben soll.

Mangrovenreservat

Uns bleibt angesichts des tropischen Klimas erneut fast die Luft weg, so dass wir zu weiteren 1 - 2stündigen Wanderungen keine Motivation aufbringen.

Das Klima scheint ideal für den Kakaoanbau. So kommen wir an kleinen Kakaoplantagen vorbei und sehen vor einigen Hütten ausgebreitete Planen, auf denen die Kakaobohnen zum Trocknen ausliegen.

Auf der Fahrt zum Flughafen können wir noch einen kurzen Blick auf die am Wasser liegende Skyline von Guayaquil werfen. Einige moderne Hochhäuser liegen repräsentativ am Ufer.

Nachmittags erreichen wir den Internationalen Flughafen José Joaquín de Olmedo. Nachdem wir den Mietwagen zurückgegeben haben bleiben uns noch einige Stunden Zeit bis zum Rückflug. Für einen internationalen Flughafen ist dieser ziemlich klein.

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FAZIT:

Die vielseitigen Landschafts- und Naturerlebnisse, die wir in Ecuador erleben durften, haben uns begeistert. Unsere Erwartungen an die Galapagos-Inseln wurden voll erfüllt. Die Ursprünglichkeit, die dieses Archipel bietet, ist absolut einzigartig. Man fühlt sich ein wenig in der Zeit der Entstehung der Erde zurückversetzt. Ebenso hat uns das Amazonas-Erlebnis begeistert. In den tiefen Dschungel einzutauchen und den tropischen Regenwald hautnah zu erleben war etwas ganz besonderes. Auch die Fahrt durch die Andenregion, die zum Teil sehr anstrengend war, bot grandiosen Landschaftseindrücke, die wir nicht missen möchten.

Ecuador ist zwar bei Weitem nicht so arm wie Nicaragua, Indien oder viele afrikanische Länder und so fruchtbar, dass niemand Hunger leiden muss; aber viele Menschen leben unter einfachsten Bedingungen, in den Bergregionen zum Teil ohne Strom und fließendes Wasser.

Wieder einmal freuen wir uns über die vielen Eindrücke, die wir geniessen durften. Dennoch sind wir gleichzeitig froh, unseren "sicheren Hafen" in Deutschland zu haben.