Saudi-Arabien
Saudi-Arabien Rundreise
Rundreise: Dammam - Al Hofuf - Riad - Abha - Rijal Almaa - Jeddah -
Medina - Al Ula/Hegra - Wadi Disa - Riad - Edge of the World
Sonntag, 16.02.2025/Montag, 17.02.2025 Dammam
Die reine Flugzeit von Frankfurt/Main nach Dammam beträgt zwar nur sechs Stunden, doch die in Riad vorgesehene Zwischenlandung wurde durch ein Gewitter verzögert. Eine halbe Stunde lang zog das Flugzeug seine Kreise. Statt einen Blick auf das nächtliche Riad genießen zu können, wurden wir dann bei der Landung lediglich ordentlich durchgeschüttelt.
Am Flughafen werden wir zusammen mit neun weiteren Personen unserer ‘Ikarus’ Reisegruppe in Empfang genommen und mit einem Bus zum Hotel gefahren, wo wir erst kurz vor Mitternacht ankommen. Gegen 5.00 Uhr morgens werden wir vom Adhan, dem islamischen Gebetsruf, geweckt. Ein elektronischer Muezzin nach dem anderen ruft zum Morgengebet auf. Dem zu lauschen hat etwas Meditatives.
Nach einem vorzüglichen Frühstück starten wir in unseren ersten Reisetag.
Die Küste am Arabischen Golf, die Eastern Province, ist heute für Saudi-Arabien die wichtigste Region, denn hier liegt das Erdöl. Seit 1938 die erste Erdölquelle entdeckt wurde, hat die Region am arabischen Golf an Bedeutung gewonnen und die Städte Dammam, Dharan und Al Khobar entstanden. Zunächst geht es am Ufer entlang nach Dharan. Auf dem Wasser sind die Erdölförderanlagen zu sehen.
Mehr über die Entwicklung der Erdölförderung erfahren wir im King Abdulaziz Center for World Culture (auch Ithra genannt). Das architektonisch beeindruckende Gebäude erinnert von weitem an einen Felshaufen. Es wurde von der Ölgesellschaft Aramco gebaut. Nicht nur die Architektur eines norwegischen Architekten samt der ungewöhnlichen Fassade aus aneinandergereihten Edelstahlrohren (zur Klimatisierung) ist sehenswert. Im Innern gibt es diverse Attraktionen wie eine Ausstellung der Mode der unterschiedlichen Regionen des Landes, Kunstobjekte, eine Bücherei (mit vielen englischsprachigen Büchern), eine digitalisierte Ausstellung zur Entstehung der Natur und eine interaktive Ausstellung über die Entdeckung des Erdöls und dessen Auswirkungen auf Saudi-Arabien. Ohne weiteres könnte man hier einen ganzen Tag verbringen, wir haben allerdings nur zwei Stunden zur Verfügung.
Im King Abdullah Park befindet sich ebenfalls das Heritage Village. Das Gebäude wurde traditionell aus Lehm errichtet und gibt einen schönen Einblick in das kulturelle Erbe der einzelnen saudi-arabischen Stämme. Wir probieren saudischen Kaffee (ungeröstete Bohnen mit Kardamom und Ingwer) und dürfen mit traditioneller Kleidung eine kleine Modenschau machen.
Unser nächstes Ziel ist die Corniche in Al Khobar. Im Hintergrund erhebt sich ein Wasserturm, das Wahrzeichen der Stadt. An der Uferpromenade herrscht reges Treiben, Familien haben Decken ausgebreitet und picknicken oder flanieren auf der breiten Promenade. Auch hier kann man jederzeit sein Gebet verrichten. Es gibt extra Aufbewahrungskisten mit Gebetsteppichen.
Anschließend geht es zum King Fahd Causeway, einer 25 Kilometer langen Brückenverbindung zum Inselstaat Bahrain. Wir fahren allerdings nur bis zur noch zu Saudi-Arabien gehörenden Insel Middle Island. Diese besteht eigentlich nur aus dem Grenzübergang, einem Burger King und einer Moschee. Für eine gute Sicht ist es leider inzwischen zu diesig. Um 17:30 h dämmert es bereits.
Dienstag, 18.02.2025 Hofuf - Riad
Wir fahren an endlosen Palmenhainen entlang nach Hofuf, einer bedeutenden Stadt in der Region Al-Ahsa in der Ostprovinz Saudi-Arabiens. Hier liegt die Al-Ahsa-Oase, die größte natürliche Oase der Welt (über 85 qkm). Drei Millionen Dattelpalmen soll es hier geben, die jedes Jahr über 100.000 Tonnen Datteln produzieren. Gespreist wird die Oase wird aus einem riesigen unterirdischen Grundwasserreservoir sowie durch den Wasserfluss von über 280 artesischen Quellen bewässert. So kann in einer Region, die ansonsten eine Sandwüste ist, das ganze Jahr über Landwirtschaft betrieben werden. Die Oase wurde 2018 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt.
Mitten in der Oase erhebt sich ein 75 m hohes Felsplateau aus rötlich gefärbtem Kalkstein. Der Jabel Qarah-Berg ist 2 km lang und bis zu 800 m breit und von einem labyrinthischen Grotten- und Höhlensysteme durchzogen. Geführt besichtigen wir die Höhlen (fast alleine) und sind von den gigantischen Felsformationen völlig begeistert. Rechts und links ragen hohe Felswände auf, die über Jahrtausende durch Wind und Wasser geformt wurden. Durch Spalten fällt Licht in die Höhle. In den natürlich entstandenen Höhlen herrscht das ganze Jahr über eine angenehme Temperatur.
Anschließend fahren wir zum Fort Ibrahim. Der Ibrahim-Palast ist eine historische Festung aus der osmanischen Zeit, die zuletzt als Kaserne genutzt wurde, inzwischen aber wieder schön restauriert wurde. Von außen pompös und schnörkellos gibt es einen sehr großzügigen Innenhof mit Moschee und weiteren weiß getünchten Gebäuden.
Vorbei an weiteren Palmenhainen fahren wir zu einer traditionellen kleinen Bäckerei (Abu Fahad Al Rabaiya). Hier probieren wir das lokale "rote Hasawi Brot". Dieses wird in Kesseln gegart, die mit Dattelholz befeuert werden. Das zu runde Fladen geformte Brot wird gefüllt und zum Garen an die Kesselwand geklebt. Dazu gibt es einen super süßen Karak, einen schwarzen Assam-Tee mit Milch und duftenden Gewürzen.
Nicht weit entfernt besuchen wir die Jawatha-Moschee aus dem 7. Jahrhundert. Diese ist eine der ältesten Moscheen des Landes, sieht aber recht klein und unscheinbar aus. Hier soll das hier das erste Freitagsgebet nach der Ankunft des Propheten Muhammad in Al-Ahsa abgehalten worden sein.
Der daneben errichtete Freizeitpark hat geschlossen und wirkt irgendwie völlig deplatziert.
Mit dem Zug geht es nun zurück nach Riad (380 km, ca. 2,5 Std.). Der Abfertigungsprozess am Bahnhof ähnelt dem eines Flughafens. Im Zug stellen wir fest, dass sich verschleierte Frauen nur sehr ungern neben ihnen unbekannte Männer setzen und sich lieber einen neuen Platz suchen. Welche Rolle die Religion im Land spielt zeigt sich auch im Zug. Es gibt einen Bereich mit einem Gebetsteppich. Auf der Fahrt zieht eine steinige Wüstenlandschaft an uns vorbei.
Als wir Riad erreichen, ist es bereits dunkel. Der 286 m hohe Al Faisaliah Tower des britischen Stararchitekten Sir Norman Foster ist seit 2000 ein Wahrzeichen der Stadt und wird abends beleuchtet. In der Kugel befindet sich das „The Globe“ Restaurant. Bestimmt ein tolles Erlebnis, hier zu speisen, in unserer Reiseplanung aber leider nicht vorgesehen. Wir speisen libanesisch in dem nahe gelegenen Restaurant „Alkofeia“.
Mittwoch, 19.02.2025 Riad - Ad Diriyah
Auf der Fahrt durch Riad bekommen wir schöne Impressionen. In Riad trifft die Vergangenheit auf die Zukunft. Historische Paläste und Lehmbauten stehen direkt neben hypermodernen Hochhäusern. Ein sandfarbener Dunst überzieht die Stadt. An zahlreichen Fassaden sieht man riesige Plakate mit den Abbildungen der drei Monarchen, die das Land regieren.
Riad ist aktuell die am schnellsten wachsende Stadt der Welt, hat derzeit 9 Mio. Einwohnern und soll bis 2030 15 Millionen haben. Überall gibt es Baustellen und hunderte von Kränen ragen in die Luft. Man bereitet die Stadt auf die Fußball WM 2030 sowie die Expo vor. Der größte Stadtpark der Welt wird angelegt, der mit einer Million Bäumen bestückt werden soll und dann achtmal so groß wie der Central Park in New York sein wird. In den letzten Jahren wurde auch eine Metro gebaut mit derzeit 140 Stationen.
In der Ferne liegt der King Abdullah Financial District (KAFD), Saudi-Arabiens geplante wichtigste Finanzmetropole im Nahen Osten. 2006 haben die Bauarbeiten begonnen. Zum KAFD gehören 95 Gebäude, wovon 61 mit über 100 m Höhe als Wolkenkratzer in den Himmel ragen. Namhafte Architekten wie beispielsweise Zaha Hadid (U-Bahn Station) durften sich hier verewigen.
Es wird noch fleißig weitergebaut. Mitten in der Anlage gibt es eine moderne Moschee mit zwei freistehenden Minaretten. Ein sehr beeindruckendes Quartier, in dem wir gerne noch etwas mehr Zeit verbracht hätten.
Wir besuchen Ad Diriyah, einen Vorort von Riad. Bis 1818 befand sich hier die Hauptstadt Saudi-Arabiens.
Im 15. Jahrhundert wurde der Beduinenstamm Al Saud hier sesshaft und errichtete eine Lehmsiedlung im typischen Najd-Baustil. Die Siedlung At-Turaif war nach Verlust ihrer Bedeutung in Vergessenheit geraten und fiel samt ehemaligem Königspalast in sich zusammen, bevor man beschloss, die Lehmsiedlung wieder aufzubauen.
In Zusammenarbeit mit der UNESCO wurde die Siedlung weitestgehend authentisch restauriert und ist mit der Fertigstellung 2010 als UNESCO Weltkulturerbe-Stätte zu besichtigen. Sehr lohnend!
Zurück in Riad fahren wir zum Murabba-Palast.
Der frühere Wohnsitz von König Abdulaziz ist heute als Museum zu besichtigen. Viele Räume sind originalgetreu anzusehen. Zusätzlich vermitteln zahlreiche Fotografien Wissenswertes über die Geschichte des Landes. Besonders gefällt uns der Innenhof.
Nicht weniger interessant ist das daneben gelegene National Museum. Im Schnelldurchgang vermittelt unser toller Reiseleiter uns einen Abriss der umfangreichen Sammlung. Beginnend mit Artefakten und Ausgrabungsfunden aus prähistorischer Zeit. Anhand von Schautafeln und Modellen wird die geschichtliche Entwicklung des Landes bis in die Gegenwart vermittelt, so etwa auch den beiden heiligsten Stätten des Islams, Mekka und Medina sowie der Geschichte der Staatsgründer, der Familie Saud. Auch hier könnte man ohne weiteres einen halben Tag verbringen, doch für uns geht es schon wieder weiter, diesmal zum Kingdom Tower.
Das 302 m hohe Gebäude erinnert an einen überdimensionierten Flaschenöffner. Wir betreten über die Shoppingmall das Kingdom Centre und fahren mit einem Fahrstuhl zur 65 m langen Sky Bridge. Von dieser Aussichtsbrücke hat man aus 300 m Höhe einen sensationellen Blick über Riad. Im absoluten Kontrast überragen architektonische Wolkenkratzer die niedrigen Lehmhäuser. Trotz etwas diesiger Luft ein toller Ausblick, vermutlich noch spektakulärer bei Dunkelheit. Cristiano Ronaldo soll übrigens im Hotelbereich des Towers eine Suite gemietet haben - auf welcher Etage bleibt auch nach unserer Nachfrage ein Geheimnis.
Unser Tagesprogramm endet mit der Besichtigung der Altstadt ad-Dirah. Hier befindet sich die Große Moschee (Al Masjid al Jamea al Kabir), in der sich 17.000 Gläubige versammeln können. Auf dem weiträumigen Vorhof finden die Vorbereitungen zum morgigen Feiertag (22. Februar - Saudi Foundation Day) statt, so dass wir diesen nicht besichtigen können. Hier wurden bis vor wenigen Jahren Verurteilte nach dem Freitagsgebet in aller Öffentlichkeit nach dem Sharia-Recht der Todesstrafe unterzogen oder ihnen wurde Körperteile abgehackt. Die Todesstrafe gibt es noch immer, der Vollzug findet jedoch nicht mehr in der Öffentlichkeit statt. Aus der Ferne können wir einen Blick auf den Deira Uhrenturm werfen. Die 20 m hohe Steinsäule sagt als „sprechenden Uhr“ alle 15 Minuten in arabischer Sprache die Zeit an.
Während wir über durch den Souq laufen, lädt unüberhörbar der Muezzin von zwei 50 m hohen Minaretts zum Abendgebet.
Hinter dem Uhrturm beginnt der älteste Souk der Stadt, der Deira Souq. Es gibt einen Bereich für Frauen, wo neben Abayas und Tüchern auch BHs und sonstige Kleidung angeboten werden.
Kleidung für Männer ist in einem anderen Bereich untergebracht. Hier gibt es traditionelle Thaubs (ein langes weißes Gewand), Ghutras (rot-weiß gemusterte Tücher) in unterschiedlicher Marken-Qualität aber auch Schmuck, Gehstöcke oder Säbel.
Auch einige Antiquitätenläden mit Kupfer- und Messingartikeln gibt es hier oder ein großes Angebot an Weihrauch und Tongefäßen zum Verbrennen von Weihrauch.
Da wir ganz offensichtlich nicht zur Zielgruppe gehören, werden wir zwar freundlich zum Schauen eingeladen, aber in keiner Weise zum Einkaufen gedrängt, was sehr angenehm ist. Für uns war der Besuch des Souks ein tolles Erlebnis. Damit beenden wir mit vielen neuen Eindrücken die heutige Marathon-Besichtigungstour.
Donnerstag, 20.02.2025 Flug von Riad nach Abha
Mit dem Flugzeug geht es heute in den Südwesten Saudi-Arabiens nach Abha.
Auf dem Weg zum Flughafen fahren wir am riesigen Gelände der Princess Nora bint Abdulrahman University (PNU) vorbei. Riad verfügt über die größte reine Frauenuniversität der Welt. Sie erstreckt sich über eine Fläche von etwa 8 Millionen Quadratmetern (13 km langes eigenes Bahnnetz) und bietet Platz für bis zu 60.000 Studentinnen.
Die Flugabfertigung verläuft problemlos. Zwei Stunden dauert der Flug (etwa 750 km) in die Region Asir. Die jemenitische Grenze liegt nur etwa 200 km entfernt.
Abha (ca. 200.000 Einwohner) liegt auf rund 2.200 m Höhe und ist die Verwaltungshauptstadt der Provinz Asir. Sie liegt am Westrand des Asir-Gebirges. Der Einfluss des benachbarten Jemen ist in der Architektur der Häuser zu erkennbar. Um Abha herum führt eine Ringstraße, die an den wichtigsten Gebäuden entlangführt.
Wir besuchen den traditionellen Souk Al Thulatha (Dienstagsmarkt - der mittlerweile nicht nur dienstags geöffnet hat).
Hier gibt es Produkte aus der Region, wie beispielsweise Honig, Kaffee oder Gewürze oder auch handgefertigte Waren und Souvenirs. Wir erregen Aufsehen (noch scheinen sich nicht viele Touristen hierher zu verirren) und werden äußerst freundlich willkommen geheißen. Nicht nur wir sind daran interessiert, die Eindrücke fotografisch festzuhalten, auch wir werden mit dem Handy fotografiert. Hier tragen viel mehr Frauen Abayas und zusätzlich einen Gesichtsschleier (Niqab) als in Riad. Schön zu beobachten, wie die Männer in ihren SUVs ihre Runde drehen und die Frauen ihre Einkäufe durch das Fenster hineinreichen.
Der angrenzende botanische Garten hält nicht, was der Name vermuten lässt. Es gibt ein paar Blumenbeete und Familien haben sich zum Picknicken niedergelassen.
Zum Sonnenuntergang fahren wir zu einem Aussichtspunkt namens "High City" und können auf das Gebirge, den „Grünen Berg“ (Jabal Thera) und auf Abha blicken, doch die etwas diesige Aussicht ist nicht besonders spektakulär. Wacholder-Sträucher wachsen an den Hängen des Hügels und geben dem „Berg“ seinen Namen.
Freitag, 21.02.2025 Abha - Asir-Gebirge
In Geländewagen geht es ins Gebirge. Wir besuchen zunächst das Dorf Al Janafa, wo im traditionellen Asir-Stil errichtete Lehmhäuser zu bewundern sind.
Das Dorf ist ausgestorben, aber die ursprüngliche Bauweise lässt sich sehr schön bewundern und wird derzeit wieder restauriert. Schöne Fassaden und eine kleine Moschee sind zu sehen.
Anschließend geht es weiter ins Gebirge. Immer wieder tauchen kleine Gebirgsdörfer auf. Der Blick über die Gebirgslandschaft ist überwältigend. An den Hängen wird landwirtschaftliche Terrassenwirtschaft betrieben. Aktuell ist jedoch wenig Grün zu entdecken. In Foliengewächshäusern werden sogar Erdbeeren angebaut.
Nachdem wir an einem Aussichtspunkt auf dem höchsten Berg des Landes (Al Soudah, 3.050 m hoch) die Aussicht auf die umliegenden Berge bewundert haben, stoppen wir mittags in luftiger Höhe an einer arabischen Pizzeria. Auch hier wird wieder der gefüllte Teig an der Außenwand eines befeuerten Kessels gebacken. Sehr delikat! Dazu gibt es Tee mit frischer Minze.
Etwas lästig sind die vielen Paviane, die hier optimale Bedingungen haben, um sich zu vermehren. (Später begegnen wir einigen Pavianjägern, die die Tiere einfangen, sterilisieren und wieder frei lassen.)
Der Besuch einer Honig-Raffinerie ist sehr interessant. Auf der Anlage gibt es eine Ansammlung von diversen Kuriositäten, die ansprechend präsentiert sind. Über 50 verschiedene Honigsorten aus Saudi-Arabien können wir hier probieren und erfahren, welche positiven gesundheitlichen Auswirkungen welcher Honig hat. Zu kaufen gibt es diese Honige auch, aber sie sind doch ziemlich teuer.
Ein weiteres Highlight ist der Besuch des Rojal Heritage Village. Das historische Dorf Rijal Almaa (Anwärter als UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte) besteht aus traditionellen, mehrstöckigen Häusern aus Stein, Lehm und Holz mit farbigen Holzfenstern. Die Bauweise ist auch wieder jemenitisch geprägt. In einem der Gebäude gibt es ein kleines Museum mit Antiquitäten, Manuskripten, Alltagsgegenständen und historischen Waffen. Sehr schön ist es, auf dem Platz zu sitzen und die Häuser-Kulisse zusammen mit dem bunten Treiben zu beobachten. Die meisten Touristen sind aktuell aus Saudi-Arabien. Die Frauen sind überwiegend verhüllt, nur die kleinen Mädchen tragen (noch) westliche Kleidung.
Zum Abschluss des Tages fahren wir wieder zur High City. Eine Seilbahn gleitet in einer Höhe von 400 m über das New Abha Resort und den Stausee Al Sadd und seine Umgebung zum „Grünen Berg“ und wieder zurück. Die Fahrt dauert 20 Minuten und bietet ein paar schöne Ausblicke.
Abends gibt es im Hotel das traditionelle saudische Gericht Kabsa zum Abendessen. Auf einer großen Platte wird Reis mit Lamm serviert. Der Fokus liegt auf Gewürzen (etwa Koriander, Kreuzkümmel, Pfeffer, Kardamom, Safran, Zimt oder Nelken), die für den charakteristischen Geschmack sorgen.
Samstag, 22.02.2025 Abha - Jabal Dabab - Jeddah (Dschidda)
Zunächst fahren wir zur Shamsan Festung. Die eingeschossige, osmanische Festungsanlage ist mit 90 x 30 m zwar groß, von außen aber recht schlicht. Auf 2.300 m Höhe haben wir aber einen schönen Blick auf Abha. In der Ferne liegen der „Grüne Berg“ und die Seilbahn, die wir gestern benutzt haben.
Die kleine Basta Siedlung, zu der wir anschließend fahren, ist geschlossen und etwas vernachlässigt bzw. restaurierungsbedürftig. Al-Basta ist eines der ältesten Viertel in Abha mit traditionellen Gebäuden.
Der anschließende Besuch im Qatt Art Museum ist wesentlich interessanter. Al-Qatt al-Asiri ist eine traditionelle Kunstform der Gravur und Verzierung in der Provinz Asir. Dabei werden geometrische und florale Muster mit Hilfe von Primärfarben direkt auf den Innenwänden von Häusern, Empfangsbereichen oder anderen dauerhaften und festen Oberflächen dargestellt.
Im Jahr 2017 wurde die Kunst von al-Qatt al-Asiri von UNESCO auf die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Seit Generationen beherrschen Frauen in der Provinz Asir diese Kunst. Bei unserem Besuch treffen wir auf die Künstlerin Fatimah bint Ali Abu Qhhas, die als eine der führenden saudischen Frauen gilt, die diese Kunst praktizieren. Die Familie betreibt das Museum. In einem kurzen Film wird uns anschaulich die Technik, die bereits mit der Herstellung der Farbpigmente beginnt, demonstriert.
Zum Abschluss fahren wir zum Dabab-Berg (Nebelberg / Jabal Dabab) in Abha. Er ist besonders für sein kühles Klima, aber auch dichten Nebel (Dabab auf Arabisch) bekannt, was ihm eine etwas mystische Atmosphäre verleiht. Den Namen trägt er zurecht, denn über der spektakulären Gebirgslandschaft liegt der Dunst. Von einer Aussichtsplattform haben wir einen grandiosen Ausblick.
Anschließend geht es erneut zum Flughafen. Der Flug nach Jeddah (Dschidda) dauert 1 ¼ Stunde. Bemerkenswert am King Abdulaziz International Airport in Dschidda ist das weltweit größte Flughafen Aquarium in der Ankunftshalle. Das mit einem künstlichen Korallenriff ausgestattete Aquarium ist 14 m hoch und hat einen Durchmesser von 10 Metern (Wasserkapazität: 1.000.000 Liter), über 2.000 Fische sind zu bewundern, darunter Haie, Stachelrochen, Drückerfische und Napoleonfische).
Mit dem Bus geht es zum Hotel. In der Ferne sehen wir den noch im Bau befindlichen Jeddah Tower. Dieses Gebäude soll mit einer geplanten Höhe von über 1.000 Metern nach Fertigstellung das höchste Gebäude der Welt sein und den derzeitigen Rekordhalter, den Burj Khalifa in Dubai, um etwa 172 Meter übertreffen. Die Bauarbeiten begannen im April 2013, wurden jedoch 2018 aufgrund verschiedener Herausforderungen unterbrochen. Nach fast fünf Jahren Stillstand wurden die Arbeiten im Januar 2025 aber wieder aufgenommen, mit einer geplanten Fertigstellung zwischen 2028 und 2029 wird gerechnet.
Noch 1947 war Jeddah lediglich eine von einer Mauer umgebene Stadt mit etwa 30.000 Einwohner und nicht einmal einen Quadratkilometer groß. Inzwischen dehnt sich die Hafenstadt am Roten Meer auf ca. 1.000 Quadratkilometer aus und ist mit ca. 5 Mio. die zweitgrößte Stadt Saudi-Arabiens. Allein die Stadt liegt mit einem 100 Kilometer langen Streifen direkt am Roten Meer und hat eine 45 Kilometer lange, ausgebaute Uferpromenade.
Abends besuchen wir die Jeddah Corniche, eine wunderschöne Strandpromenade am Roten Meer mit Skulpturen bekannter internationaler Künstler wie Moore oder Miró, aber auch Spielplätzen und Picknickwiesen. Gerade am Nationalfeiertag verwandelt sich abends die Corniche in einen Tummelplatz. Viele Einheimische flanieren auf der Promenade oder sitzen im Kreis der Familie auf einer Picknickdecke. Auch um beispielsweise Domino zu spielen haben sie einige Männer getroffen.
Von der Promenade hat man einen schönen Blick auf das Wahrzeichen Jeddahs, die King Fahd-Fountain, die höchste Springbrunnen-Fontäne der Welt. Diese über 200 m hohe Fontäne mitten im Meer gegenüber dem Al Salam-Königspalast wurde 1985 eingerichtet, nur wenn der Wind das Wasser nicht auf die Königsinsel sprühen würde, wird sie eingeschaltet.
Nach dem Sonnenuntergang geht es zum Jeddah Park. Am Abend vor dem offiziellen Gründungstag (Foundation Day) herrscht ein reges Treiben. Viele Familien flanieren, die kleinen Mädchen haben zum Teil schicke (festliche) Kleidchen an. Einige Pkw sind mit dem Konterfei des Kronprinzen beklebt oder haben eine große saudiarabische Flagge befestigt.
Abends speisen wir sehr gut, wieder in einem libanesischen Restaurant.
Sonntag, 23.02.2025 Jeddah (Dschidda) - Medina
Morgens besuchen wir das Ethnographische Museum al Taybat. Schon von außen ist das bis zu vierstöckige Museum im traditionellen Hedschas-Stil mit hölzernen Elementen und Balkonen ein Juwel.
In 365! Räumen wird -fast überladen- nicht nur die Geschichte und Kultur Saudi-Arabiens präsentiert. Die umfangreiche Sammlung von Artefakten reicht von prä-islamischen Antiquitäten über islamische Manuskripte bis hin zu traditionellen saudischen Kleidungsstücken. Ein besonderes Highlight ist die Darstellung der Geschichte der beiden heiligen Städte Mekka und Medina über fünf Jahrhunderte hinweg, einschließlich der Modelle der Heiligen Kaaba (Mekka) und der Hajj-Rituale. Darüber hinaus gibt es eine bunte Sammlung von Gemälden, Teppichen und Einrichtungsgegenständen.
Im Anschluss spazieren wir durch die Altstadt Al Balad. Auch Jeddah veränderte sich nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Ölquellen auf der anderen Seite der Halbinsel dem Staat Saudi-Arabien zu großen Einnahmen verhalfen. Man setzte auf eine moderne Zukunft. Mauer und Stadttore wurden abgerissen. Dank eines 1990 vom damaligen Bürgermeister Mohammed Said Farsi eingesetzten Historical Area Preservation Department wurde der Abriss der noch verbliebenen Häuser gestoppt und mit der Restaurierung begonnen.
Im Jahr 2014 wurde Al-Balad von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Seitdem wurden zahlreiche Restaurierungsprojekte zum Erhalt der historischen Gebäude initiiert. Die traditionellen Häuser im Hedscha-Stil aus Korallenschutt und Lehmmörtel sind mit kunstvollen Holz-Balkonen, sogenannten Roshan, verziert. Die Gebäude haben schwere Teakholztüren (aus indischem Redwood) und Fenster Balkone und zählen zu den besten Beispielen der Hedschas-Architektur. Mit ihren von außen blickdichten hölzernen Jalousien sicherten die Holzbalkone frische Luft und für die Frauen eine Teilhabe am öffentlichen Leben auf der Straße, ohne sich verschleiern zu müssen. Etwa 30 bis zu siebenstöckige alte Wohnhäuser wurden bereits renoviert und sind wieder bewohnt. Auch heute wird fleißig restauriert. Ein Zeichen dafür, dass der Sonntag hier ein normaler Arbeitstag ist.
Besondere Beachtung verdient das Nasseef-Haus (Bait Nasseef) mit vorn vier und im hinteren Teil sieben Stockwerken. In diesem Gebäude wohnte König Abdul Aziz im Jahr 1925 bis zur Fertigstellung seines neuen Palastes und unterzeichnete hier 1933 den ersten Vertrag mit der Standard Oil. Heute beherbergt es ein Museum mit alten Grabsteinen und Erläuterungen zu den Handelsrouten.
Erwähnenswert ist die Ash-Shafi-Moschee in der Altstadt, eine ist die älteste und bedeutendste. Die Atmosphäre in den engen Gassen des traditionellen Al Alawi Souq (die auch viele Einheimische genießen) ist sehr reizvoll. Auf dem traditionellen Markt werden beispielsweise Gewürze und Textilien angeboten. Ein weiterer Bereich bietet ausschließlich Goldschmuck an.
Mit dem Bus geht es weiter zum Fischmarkt. Wir fahren an einem weiteren Superlativ in Jeddah vorbei, einem 171 m hohen Fahnenmast, dessen Fahne 50 x 30 m misst. Angabegemäß der höchste Fahnenmast der Welt. Jeddah besitzt den wichtigsten Überseehafen des Landes und hat das größte Industrie- und das bedeutendste Handelszentrum Saudi-Arabiens. Bis zum Jahr 1985 war Jeddah – nicht die Hauptstadt Riyadh – Sitz aller Botschaften und des Außenministeriums.
Der Fischmarkt liegt direkt am Hafen und ist der größte am Roten Meer. Ein breites Angebot an uns zum Teil unbekannten Fischen ist ausgelegt, darunter auch der bunt leuchtende Papageienfisch oder ganze Thunfische, die vor unseren Augen zerlegt werden. Kleine Fische werden ganz gekauft und können in einem anderen Bereich des Marktes ausgenommen werden. Spannend ist es auch, einer Fischauktion beizuwohnen. Die noch lebenden (und zappelnden) Fische werden ausgelegt und meistbietend verkauft.
Anschließend geht es zum Bahnhof. Das riesige, von Sir Norman Foster entworfene Gebäude sieht futuristisch aus und ist für den jährlichen Pilgerstrom nach Medina bzw. Mekka ausgelegt. Im modernen Hochgeschwindigkeitszug geht es für uns weiter nach Medina.
Auf der Fahrt sehen wir einen Teil der riesigen Sand- und Steinwüste und mittendrin den größten Solarpark der Welt. Im Hintergrund können wir die neu entstehende Megacity Neom erahnen.
Für die gut 400 Kilometer nach Medina benötigt der Zug nur zwei Stunden (teilweise fahren wir mit 300 km/h).
Madinat al Nabi – die Stadt des Propheten oder auch "die erleuchtete Stadt", liegt 180 km landeinwärts vom Roten Meer in 650 m Höhe, 425 km von Jeddah und 447 km von Mekka entfernt.
Medina, als Yathrib schon in vorislamischer Zeit ein bedeutender Karawanenhandelspunkt, ist nach Mekka die zweitheiligste Stadt des Islam, denn ab 622 wirkte und predigte hier der Prophet Mohammed.
Am Ankunftsbahnhof kommen hunderte von Pilgern an. Selbst eine Woche vor Beginn des Ramadans haben sich zahlreiche Pilger, meist in Gruppen organisiert, aus der ganzen Welt eingefunden.
Auch wir präparieren uns für den Besuch der religiösen Stätte. Bis auf Gesicht und Händen sollte alles bedeckt sein und die Frauen in unserer Reisegruppe verdecken die Haare entsprechend mit einem Kopftuch, was übrigens während unserer Reise nur hier erforderlich ist. Bis 2019 durften Nichtmuslime Medina gar nicht besuchen.
Wir fahren zunächst zur Märtyrer Moschee. Hier befindet sich einer der heiligen „Berge“, der Uhud-Berg, sowie der Märtyrerfriedhof. Ein historischer Ort, der an die Schlacht von Uhud erinnert, einer wichtigen Schlacht in der islamischen Geschichte. Der gut abgeschirmte Friedhof beherbergt die Gräber vieler Gefährten des Propheten. Zu sehen sind lediglich ein paar Steine. Es ist sehr interessant, dem Treiben der vielen Pilger zuzusehen. Viele steigen auf den Uhud, um von hier zur Moschee zu blicken und zu beten. Rund um den riesigen Vorplatz gibt es zahlreiche Geschäfte, deren Angebote auf Pilger und andere Touristen ausgerichtet sind. Neben Schmuck, Düften, Süßigkeiten, Nüssen, Souvenirs gibt es religiöse Andenken oder gar Gebetsteppiche zu kaufen.
In einem libanesischen Restaurant speisen wir abends erneut sehr gut.
Unser Hotel (Crown Plaza) liegt in Fußnähe zur Prophetenmoschee (Al-Masjid an-Nabawi). Abends spazieren wir zur Moschee und dürfen die besondere Atmosphäre an diesem Pilgerort erleben. Es ist die zweitheiligste Moschee des Islam und das bedeutendste Bauwerk Medinas. Die Moschee des Propheten ist eines der frühesten Beispiele des "klassischen" islamischen Sakralbaus und deren Errichtung hat Mohammed 623 selbst in die Wege geleitet. Seit 632 liegt er im Innenhof begraben, über dem Grab erhebt sich eine grüne Kuppel, nach der der Bau auch als Grüne Moschee bezeichnet wird.
Die herausragende Bedeutung der Medina-Moschee für Muslime aus aller Welt wird aus den überlieferten Worten Mohammeds deutlich: "Ein Gebet in meiner Moschee ist besser als 1000 Gebete in anderen Moscheen mit Ausnahme eines Gebets in der Moschee von Mekka; ein solches ersetzt 100.000 Gebete in meiner Moschee." Den großzügigen Innenhof und die Moschee dürfen wir nur von außen ansehen. Wie für Mekka gilt auch für Medina: Nichtmuslimen ist der Zutritt verboten.
Viele Pilger bevölkern den Innenhof. Häufig in Gruppen organisiert, laufen sie herum. Auch auf vielen ausgebreiteten Teppichen haben sich Familien niedergelassen. Andere Pilger haben Gefäße mitgebracht und füllen diese mit dem "heiligen" Wasser. Für unser Empfinden ist der Ort bereits heute gut besucht, den Andrang zu Ramadan mögen wir uns gar nicht vorstellen. Trotz der unterschiedlichen Nationen, die sich hier zum Gebet versammeln, ist alles äußerst friedlich.
Montag, 24.02.2025 Medina - Khaybar - Al Ula
Auch heute morgen müssen wir unsere Garderobe den religiösen Anforderungen (sogar beim Frühstück) anpassen. Auf einer Stadtrundfahrt erhalten wir weitere Eindrücke von der heiligen Stadt. Es gibt zahlreiche Moscheen.
Das alte Bahnhofsgebäude der Al Hejaz Railway Station ist die Endstation der 1.300 Kilometer langen Hedschas-Bahnlinie. Zwischen 1900 und 1908 wurde diese im Auftrag des türkischen Sultans von deutschen Ingenieuren gebaut. Die einspurige Linie verband das syrische Damaskus mit der heiligen Stadt Medina und galt damals als die beste gebaute Eisenbahn der Welt. Die Trasse folgte der alten Pilgerroute durch den Hedschas und sollte die Anreise der Pilger nach Mekka erleichtern. Für die Türkei hatte die Bahnlinie später auch militärstrategische Bedeutung zur Versorgung der türkischen Truppen an der Westküste der Arabischen Halbinsel und in der Stadt Medina. Während des Ersten Weltkrieges war sie deshalb das Angriffsziel des Engländers T. E. Lawrence (Lawrence von Arabien), dem es mit kleinen Gruppen von Beduinen mehrmals gelang, Gleise zu sprengen und Bahnstationen anzugreifen. 1917, nur neun Jahre nach der Einweihung, blieb die Hedschas-Bahn für immer stehen. Am alten Bahnhof in Medina erinnern noch einige Gleise und Waggons an die Bahnlinie.
Neben dem Bahnhofsgebäude steht die Ambariya-Moschee. Sie wurde im klassischen osmanischen Stil mit einer Hauptkuppel und einem schlanken Minarett als Teil der Hedschasbahn-Station in Medina gebaut.
Ganz in der Nähe findet eine Kulturveranstaltung statt und wir haben die Gelegenheit, dem traditionellen Säbeltanz zusehen.
Anschließend besuchen wir die Quba-Moschee, die im Jahr 622 n. Chr. als erste Moschee des Islam gebaut wurde und dessen Grundstein vom Propheten Mohammed selbst gelegt wurde. Der Bau erfolgte mit einfachen Materialien wie Lehmziegeln, Palmstämmen und Palmwedeln als Dach, wurde seitdem mehrmals renoviert und erweitert, zuletzt in den 1980er Jahren unter König Fahd.
Heute hat sie eine moderne, aber traditionelle Architektur mit weißer Fassade. Zahlreiche Pilger haben sich hier eingefunden. Auch wir dürfen diese Moschee (nach Geschlechtern getrennt und ohne Schuhe) betreten. Am Eingang herrscht Gedränge, doch im Innern ist eine ruhige Atmosphäre. Viele Frauen und Männer sind in ihre Gebeten versunken.
Zum Abschluss besuchen wir noch eine Dattelpalmenoase, die aber nur eine Verkaufsveranstaltung ist. An dem großzügigen Gelände der (größten) Koran Druckerei der Welt fahren wir leider nur vorbei, da diese heute geschlossen ist.
Auf der Busfahrt nach Al Ula genießen wir die Landschafts-Eindrücke. Wir fahren durch eine Sand- und Steinwüste. Im Hintergrund erheben sich die Spitzen des Asir-Gebirges, das sich entlang des Südwestens Saudi-Arabiens von Jordanien bis in den Jemen erstreckt.
Widerstandsfähige Schirmakazien bringen ein wenig Grün in die karge Wüstenlandschaft. Ab und an taucht eine Besiedlung auf. Es gibt moderne Wohnhäuser und angelegte Spielplätze. Die alten Lehmhäuser wirken heruntergekommen, werden aber wohl von den (einkommensschwachen) Gastarbeitern bewohnt.
Später ist die Landschaft von Lavagestein überzogen und auch einige Vulkankegel sind zu entdecken. Auf dem Weg stoppen wir in Khaybar. Etwas außerhalb liegt auf einem Lavaplateau eine verlassene jüdische Siedlung aus der Zeit Mohammeds. Auf den Bergspitzen kann man Reste von Festungsanlagen erkennen. Ruinen von Lehmhäusern in engen, verwinkelten Gassen sind auf der Durchfahrt zu erkennen. Palmenoasen zeugen von der Besiedlung, sind nun jedoch sich selbst überlassen. Die Siedlung ist nicht zu besichtigen. Aktuell ist man mit Ausgrabungen beschäftigt. Später soll die Siedlung auch touristisch erschlossen werden.
Auf der Weiterfahrt wird die Landschaft immer spektakulärer. Ein wenig erinnern die Gebirgszüge an wilde Landschaften im Südwesten der USA.
Wir nähern uns Al Ula. Das Wüstenresort, in dem wir die nächsten beiden Nächte verbringen, ist von hohen Felswänden eingerahmt. Die Anlage Sahary ist allerdings ein wenig in die Jahre gekommen.
Mittwoch, 25.02.2025 Al Ula - Hegra (Madain Salih)
Die fruchtbare Oase mitten in der Wüstenlandschaft bot optimale Bedingungen für eine Besiedlung. Früher verbanden die Handelswege der Karawanen (Weihrauch-Route) Ägypten mit Syrien und Südarabien sowie mit dem Mittelmeer. Die Nabatäer besiedelten die Region und wurden durch Handel und Zölle zu einer bedeutenden Handelsmacht, die ab dem 3. Jh. mit zunehmender Bedeutung des Seewegs über das Rote Meer ihre Monopolstellung verlor.
Auf dem Weg nach Hegra können wir erneut den Blick über die grandiose Felslandschaft schweifen lassen.
Mit einer geführten Tour besichtigen wir einige der beeindruckenden nabatäische Grabstätten. Hegra (Madain Salih) war im 1. Jahrhundert v. Chr. ein wichtiger Handelsplatz auf der Weihrauchstraße in der Region AlUla. Einst war sie eine bedeutende Stadt des nabatäischen Königreichs, das auch Petra in Jordanien hervorbrachte. Erst 1871 wurde diese in Vergessenheit geratene Stätte wiederentdeckt. Über 100 in den Fels gehauene Gräber mit dekorierten Fassaden wurden auf einem 10 qkm großen Gebiet entdeckt und als erste UNESCO-Welterbestätte in Saudi-Arabiens (2008) anerkannt. Die Grabstätten erinnern stark an Petra in Jordanien, aber sie hat einen besonderen Reiz, da sie touristisch weniger überlaufen, ursprünglicher und in eine grandiose Felslandschaft eingebettet sind.
Das berühmte (unfertige) Grab Qasr al-Farid, wurde aus einem freistehenden Felsen gehauen, es wird noch heute spekuliert, warum sie nicht fertiggestellt wurde.
Interessant sind auch die antiken Inschriften bei Jabal Ithlib. An den Eingängen der Grabstätten sind die Familiennamen in den Fels gehauen. Im sogenannten Frauenberg befinden sich 26 Grabstätten von (gut situierten) Frauen. Auch eine Versammlungsstätte (Diwan) gab es.
Ein weiteres Highlight erwartet uns an der Maraya Concert Hall. Es ist das größte verspiegelte Gebäude der Welt. Die umliegende schroffe Felslandschaft spiegelt sich in der Fassade. Hier finden internationale Veranstaltungen für bis zu 500 Zuschauer statt (an Hubschrauber-Landeplätzen fehlt es nicht).
In der Wüstenlandschaft gibt es einige exklusive *****Resorts. Wir dürfen im HABITAS-Resort beim Mittagessen die traumhafte Felslandschaft genießen. Ein unterhaltsames Schauspiel bieten uns einige Hotelgäste, die für ihre Handyvideos (eher peinlich) am Infinity-Pool posen.
Interessant ist die Besichtigung der Altstadt von Al Ula. Es gibt einen touristisch erschlossenen modernen Teil, doch spannend ist die alte Lehmziegel-Architektur aus dem 12. Jahrhundert. Mehr als 900 Lehmziegelhäuser standen einst in den engen Gassen. Die Häuser und Gebäude waren aus traditionellen Materialien gebaut. Es gab einfache Sommerhäuser und - etwas höher gelegen und geschützt - eng aneinander gebaute Winterhäuser.
Hoch auf einem Felsen thront das Al Ula Fort über der Altstadt. Von der alten Festung hat man einen tollen Blick auf die Lehmziegel Architektur. Ein kleiner Teil ist bereits restauriert. Doch viel interessanter ist der noch nicht restaurierte Teil, der mehr von der ursprünglichen Architektur freigibt.
Kurz vor dem Sonnenuntergang fahren wir zum „Elephant Rock“, einer massiven natürlichen Felsformation, die einem Elefanten ähnelt. Auch für Einheimische ist es ein beliebtes Sundowner Ziel. Bequeme Sitzgelegenheiten und Musikuntermalung fehlen nicht. Auch die umliegende Felslandschaft verdient Beachtung. Schön ist ein weiterer Felsdurchbruch in der Nähe, zu dem wir noch wandern und der einem Torso ähnelt. Ein wunderbarer Tagesabschluss.
Mittwoch, 26.02.2025 Dadan - Wadi Disah - Tabuk
Bevor es weiter in den Norden geht, besuchen wir Dadan. Vor der Ankunft der Nabatäer war es eine der fortschrittlichsten Städte Nordarabiens. Auf einer geführten Tour sehen wir die Ruinen der früheren Stadt und einige Gräber, das Imposanteste wird von Löwen aus Stein bewacht. Bereits 900 vor Chr. lebten Menschen in den Oasen an der Weihrauchstraße, es gab Königsdynastien. Bislang ist erst ein kleiner Teil dieser alten Zivilisation ausgegraben.
In den Felswänden sieht man kleine Grabnischen, die als Einzelgräber genutzt wurden. Die Grabreihen sind zweistufig angelegt, die besser gestellten Menschen wurden auch höher beerdigt und eben von steinernen Löwen bewacht.
Sehr interessant sind die vielen prähistorische Felszeichnungen und Inschriften am Jabal (Berg) Ikmah, die es zu sehen gibt. Ein kleines Museum zeigt einige Relikte der Dadaniter- und Lihyaniter-Zivilisationen. Bei einem kleinen Workshop haben wir Gelegenheit, uns ebenfalls in der Steinbearbeitung zu probieren. Immerhin sind die Initialen in arabischen Buchstaben lesbar.
Heute leben etwa 50.000 Menschen in der neuen Stadt Al Ula. Die Oase in Al Ula ist die zweitgrößte Oase des Landes.
Üppige Palmenhaine mit Hunderten von Dattelpalmen durchziehen das breite Tal. Sie erstreckt sich über mehrere Kilometer. Ein schöner Kontrast zu den umliegenden Felsformationen und Sanddünen.
In der Umgebung wird nachhaltige Landwirtschaft betrieben: Neben Datteln werden auch Zitrusfrüchte, Feigen und andere Nutzpflanzen angebaut. Mittels Falaj-Kanäle wird das Wasser optimal verteilt.
Mit wunderschönen Eindrücken verlassen wir Al Ula und fahren weiter in den Norden. Eine karge Steinwüste zieht an uns vorbei und immer wieder schöne Felsformationen. Auch einige Kamele grasen neben der Straße. Wilde Kamele gibt es nicht. Die Tiere sind wertvoll und entsprechend von ihrem Besitzer gekennzeichnet.
Nach dreistündiger Fahrt erreichen wir eine weitere Oasenregion. An einem ausgetrockneten Flussbett liegt, umgeben von hohen Felswänden, das malerische Wadi Disah.
Mit offenen Jeeps fahren wir durch das Flussbett. Kleine Rinnsale und Wasserlöcher durchziehen das sandige und steinige Flussbett. Zahlreiche Palmen und Binsen wachsen hier und verengen die Piste. Eingerahmt wird die Szenerie von dramatischen Sandsteinformationen.
Die Fahrt ist arg holprig. Festhalten und vor Palmwedeln den Kopf einziehen ist hier angesagt. Spaß pur! Auch einige Einheimische fahren mit ihren Off-Road-Fahrzeugen durch das 35 Kilometer lange Tal. Für uns gibt es auf halber Strecke ein Picknick mit exponiertem Ausblick.
Anschließend geht es mit dem Bus weiter in den Nordwesten des Landes. Unser Ziel ist Tabuk an der Grenze zu Jordanien. In der Region kann es im Winter sogar gelegentlich etwas Schnee geben.
Wir kommen an zwei Wohnkomplexen für die Arbeiter des Zukunftsprojektes Neom vorbei. Es ist ein von der Regierung Saudi-Arabiens projektiertes, im Bau befindliches Siedlungsprojekt im Nordwesten des Landes und Teil des Projekts Saudi Vision 2030. Auf einer geplanten Fläche von 26.500 km² (etwas weniger als die Fläche Belgiens), unweit des Golfs von Akaba an der Küste des Roten Meeres. Ursprünglich umfasste Neom vier räumlich getrennte Projekte: die als 170 km lange Bandstadt geplante „The Line“, den schwimmenden Industriekomplex und Seehafen „Oxagon“ und die Ferienresorts „Sindalah“ im Meer sowie das Skigebiet „Trojena“ in den Bergen. Das Projekt ist als ein Meilenstein für die Zukunftsplanung des Landes für die Zeit nach der Ölförderung gedacht und ist ein Versuch Saudi-Arabiens, seine Einkünfte im Zuge des weltweiten Einbruchs der Ölpreise im Jahr 2014 zu diversifizieren.
Die Stadt “The Line” ist eine zivilisatorische Revolution, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und ein noch nie dagewesenes urbanes Wohnerlebnis bietet, während die umliegende Natur erhalten bleibt. Keine Straßen, Autos oder Emissionen, sie wird mit 100% erneuerbarer Energie betrieben und 95% des Landes wird als Naturland bewahrt. Nur 200 Meter breit, aber 170 Kilometer lang und 500 Meter über dem Meeresspiegel. Auf einer Fläche von nur 34 Quadratkilometern soll die Stadt 9 Millionen Menschen beherbergen.
Nach etwa dreistündiger Fahrt erreichen wir Tabuk. In der Stadt (800.000 Einwohner) gibt es u.a. einen Militärstützpunkt. Auf der Fahrt zum Hotel kommen wir an einigen riesigen Wohneinheiten vorbei. Ansonsten wirkt die Stadt auf der Durchfahrt eher unspektakulär und ist für uns lediglich aufgrund des Flughafens interessant.
Donnerstag, 27.02.2025 Riad - Edge of the world
Langsam nähert sich die Reise schon dem Ende, aber ein Highlight wartet noch auf uns. Doch zunächst heißt es früh aufstehen und von Tabuk nach Riad zu fliegen. Mittags warten am Flughafen Hotel wieder SUVs auf uns, um den Grand Canyon von Saudi-Arabien zu erkunden. Dieser liegt etwa 180 km entfernt (zwei Fahrstunden). Die letzte halbe Stunde geht es auf einer Piste weiter und die Fahrer haben sichtbar Spaß daran, uns ihre Fahrkünste vorzuführen. Gut durchgeschüttelt fahren wir durch eine immer spektakulärer werdende Steinwüste.
So erreichen wir das sogenannte "Edge of the World", eine spektakuläre Abbruchkante. Es ist die Verlängerung des Afrikanischen Grabenbruchs nach Norden. Der Ausblick von den Tuwaiq-Klippen, die mehr als 300 m abfallen, ist überwältigend. Auf den Felsen nahe dem Abhang liegt uns die Welt zu Füßen. Im herumliegenden Geröll lassen sich Fossilien und Korallen Sedimente finden. Eine grandioser Abschluss einer unvergesslichen Reise.
So nehmen wir Abschied von Saudi-Arabien. Die letzten Stunden vor dem Abflug (um 2.00h) verbringen wir im Flughafenhotel bei einem letzten gemeinsamen Abendessen. Die mit uns elfköpfige Gruppe hat gut harmoniert und unser deutschsprachiger Reiseleiter Tamel (halb Saudi/halb Ägypter) war perfekt. Die Organisation (mit einem eng durchgetakteten Programm) funktionierte reibungslos und wir haben viel über die Geschichte, die Kultur, den Islam und das Leben im Königreich erfahren. Eine der eindrucksvollsten Reisen für uns.
Landeskunde:
Saudi-Arabien ist der größte Staat der Arabischen Halbinsel (bedeckt drei Viertel der Halbinsel) und etwa sechsmal so groß wie Deutschland. Die Länge von Nord nach Süd beträgt bis zu 2.200 km. Das Land erstreckt sich zwischen dem Roten Meer im Westen und dem Arabischen (Persischen) Golf im Osten. Nach Süden wird Saudi-Arabien durch Jemen und Oman vom Indischen Ozean getrennt. Von den etwa 36 Mio. Einwohner sind rund 16 Mio. Gastarbeiter.
Rund 90 Prozent der Arbeitskräfte sind Ausländer – Saudis arbeiten nicht im Handwerk oder Dienstleistungsgewerbe.
Der Staat ist im Kerngebiet ein Hochplateau aus Stein- und Sandwüste, das im Westen von den Gebirgszügen Hedschas und Asir begrenzt wird. Im Osten senkt es sich in Stufen bis auf Meeresspiegelniveau zur Golfregion ab.
Zu Saudi-Arabien, das erst seit 2019 für Touristen offen ist, gibt es aktuell noch nicht viel Reiseliteratur. Das Buch „Frühling in Saudi-Arabien“ von der alleinreisenden Autorin Nadine Pungs gibt in einem äußerst unterhaltsamen Stil einen kleinen Einblick in die Kultur, die sich gewaltig von der westlichen unterscheidet. Saudi-Arabien ist ein Land im Umbruch. Einerseits ein nach wie vor streng monarchisches System, andererseits haben die jungen Menschen (die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 30 Jahre alt) neue Freiheiten und die Chance auf eine bessere Zukunft. Der neue Kronprinz Mohammed bin Salman, kurz MBS genannt, sorgt mit seinem Projekt 2030 für Fortschritt und hat mit der Öffnung für den Tourismus eine neue Einnahmequelle erschlossen. Es wurden bereits viele Projekte umgesetzt, um das Land touristisch attraktiv zu machen, weitere sind in Planung. Aktuell gibt es bereits sieben UNESCO-Welterbestätten.
Die Fortschrittlichkeit des Landes zeigt sich bei der digitalen Beantragung der Touristenvisa, die wir bereits 10 Minuten später per E-Mail erhalten haben.
Die Menschen sind uns überaus freundlich begegnet und haben uns willkommen geheißen.
Obwohl sich die Kleidervorschriften gelockert haben, tragen die meisten Frauen immer noch eine Abaya (ein weites, formloses schwarzes Gewand, das über die Schultern geworfen wird, um den Körper zu verhüllen) und tatsächlich auch noch einen Niqab (eine Gesichtsmaske, die nur die Augen frei lässt).
Männer tragen traditionell einen Thaub, ein langes weißes Gewand, und ein rot-weiß kariertes Tuch namens Ghutra.