Madrid - Segovia

Puerta de Alcalá 

Freitag, 21.03.2025 Madrid

Mit dem Easyjet-Flieger ab Basel landen wir erst am späten Abend in Madrid. Am Flughafen rufen wir uns ein Uber, das uns zum über Airbnb gebuchten Appartement bringt. Dieses liegt relativ zentral am viel befahrenen Plaza de Colon, aber dennoch ruhig, da es zum Lichtschacht liegt. Und es ist ein guter Ausgangspunkt für die Erkundung der Stadt. Trotz des Regens machen wir uns noch einmal auf. Bei Tapas, einem Wein und der typischen lauten Atmosphäre kommen wir in Madrid an. Dabei erleben wir erstmals, dass man in Madrid mit Englisch nicht unbedingt weiterkommt. Selbst das junge Service-Personal spricht kaum Englisch. Doch letztendlich klappt die Bestellung.

 

Samstag, 22.03.2025 Madrid

Madrid ist nicht nur die größte Stadt (3,4 Mio. Einwohner ohne Vororte) der iberischen Halbinsel, sondern auch die höchstgelegene Hauptstadt (600 m über NN) der Europäischen Union. Auf kühle Temperaturen und Regen haben wir uns eingestellt und lassen uns nicht davon abhalten, Madrid zu erkunden. Andere Touristen aber offensichtlich auch nicht, wie wir feststellen müssen, als wir auf dem zentralen Platz Puerta del Sol im Herzen der Altstadt ankommen.

El Oso y el Madroño 

Hier befindet sich der „El Oso y el Madroño“. Dieser aufgerichtete Bär, der an einem Erdbeerbaum knabbert, ist ein Wahrzeichen der Stadt und ein beliebtes Fotomotiv. Auch der unscheinbare Null-Kilometer-Stein, der den Mittelpunkt Spaniens markiert, ist ein Magnet für die Menschen. Erfreulicherweise ist die Altstadt weitestgehend autofrei. Wir folgen einer Besichtigungstour unseres Reiseführers (MM Verlag) und sehen einige Kirchen, ein Kloster, bevor wir auf dem Plaza de Oriente ankommen, wo der Königspalast und die Kathedrale Almudena liegen, hier ist es nicht weniger voll und die Ticket Schlange am Palacio Real ist entsprechend lang.

 Plaza Mayor

Eindrucksvoll ist der Plaza Mayor, der rundum mit schönen Gebäudefassaden und Arkadengängen eingerahmt ist. Heraussticht die bunt bemalte Fassade der Casa de la Panadería.

Casa de la Panadería

Zum späten Lunch (die Restaurants öffnen erst um 13:30 Uhr!) speisen wir hervorragend im von Michelin empfohlenen Restaurant "Desborre", wo die Chefin außergewöhnliche Gerichte kocht, leider gibt es aber keinen günstigen Mittagstisch.
Bei einer anschließenden Siesta im Appartement erholen wir uns vom Trubel und buchen Online-Tickets für die Museen, um den Warteschlangen zu entgehen. Für den Prado gab es für das Wochenende schon keine Tickets mehr, das hatten wir aber schon vorab für den Montag von daheim gebucht.

Für den Abend haben wir (kostenlose) Tickets für das Museum Reina Sofía gebucht. So ist das relativ kurze Schlange stehen "nur" der Sicherheitskontrolle geschuldet. Der Besucherandrang übersteigt unsere Erwartungen bei Weitem. Doch um einmal Picassos Guernica live zu sehen, nehmen wir es etwas widerwillig in Kauf.

Museum Reina Sofia - Picassos Guernica

Der Anblick des knapp 8 m breiten Kunstwerks ist durchaus beeindruckend. Von den zahlreichen weiteren Meisterwerken in diesem Museum von Picasso oder auch Dalí, Miró oder Gris haben wir nur einen eher flüchtigen Eindruck. Die Besuchermassen sind völlig abschreckend.

Gegenüber dem Museum sehen wir das erleuchtete Bahnhofsgebäude der Estacion de Atocha - eine Konstruktion aus Glas und Eisen. Auf einem späteren Rundgang müssen wir leider feststellen, dass Baumaßnahmen den Zugang zum im Gebäude befindlichen subtropischen Garten verhindern.

Sonntag, 23.3.2025 Ausflug nach Segovia

Heute machen wir einen Ausflug nach Segovia. Der Hochgeschwindigkeitszug, der Segovia (knapp 70 km von Madrid entfernt ) in etwa einer halben Stunde erreicht, fährt ab dem Bahnhof Chamartin.

Auf dem Weg zum Bahnhof kommen wir am berühmten Santiago-Bernabéu-Stadion (der Heimat von Real Madrid) vorbei.

Nachdem wir am Bahnhof die Zugtickets gekauft haben (einige Züge sind bereits ausgebucht, was möglicherweise der Grund dafür war, dass wir die Tickets nicht über die Internetseite kaufen konnten), bleibt noch etwas Zeit bis zur Abfahrt.
In der Nähe sehen wir die 200m hohen, markanten Cinco Torres.

Plaza de Castilla

Vom Bahnhof ist es nicht weit zum Plaza de Castilla und den Puerta de Europa (Torres KIO), diese Zwillingstürme neigen sich markant zueinander. Auf dem Kreisverkehr ragt der 92 m hoher goldene Obelisco de Calatrava in die Höhe. Aber die Gegend ist wenig reizvoll.

Die Zugfahrt nach Segovia dauert knapp 30 Minuten. Schon bald fahren wir durch eine ländlich geprägte Landschaft. Im Hintergrund erheben sich die schneebedeckten Gipfel der Sierra de Guadarrama auf. Um diese zu überwinden, fahren wir die meiste Zeit im Tunnel. Angekommen in Segovia (56.000 Einwohner) sind wir überrascht, dass es hier erst kürzlich geschneit hat. Nicht ganz verwunderlich, denn die Stadt liegt 1.000 m über dem Meeresspiegel.

Segovia - Aquädukt

Mit dem Bus fahren wir zum Aquädukt, dem Wahrzeichen der Stadt. Vom Anblick des gewaltigen römischen Bauwerk sind wir schlicht überwältigt. Allein die Vorstellung, dass dieses im 1. Jahrhundert n. Chr. aus ungefähr 25.000 Granitquadern, die ohne Mörtel zusammengefügt wurden, erbaut wurde, ist nicht nur wegen der Dimensionen beeindruckend. Das 818 m lange monumentale Bauwerk besteht aus 166 teilweise zweireihig angeordneten Bögen und ist bis zu 28,5 m hoch. Grandios!

Segovia - Kathedrale

Sehr schön ist auch der Bummel durch das mittelalterliche Zentrum, auch wenn wir uns das schöne Erlebnis mit vielen anderen Touristen teilen müssen. In der verwinkelten Altstadt gibt es zahlreiche Kirchen, Klöster und Paläste in hervorragendem Zustand. Herausragend sind die gotische Kathedrale und der Alcázar, der auf einem nach drei Seiten steil abfallenden Felsen thront.

Segovia Alcazar

Zurecht wurde Segovias die Altstadt und das Aquädukt bereits 1985 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Am frühen Abend kehren wir noch beim Teufel ein ("Diablo Cojuelo" - Espacio Gastronómico), wo wir einen hervorragenden Wein (“San Roman 2021”) goutieren in allerdings nicht so heimeligen Ambiente.

Apropos Teufel. Dieses lächelnde Bronzeteufelchen haben wir ins Herz geschlossen.

teulelchen diablillo    teulelchen-diablillo 
Er sitzt auf der Mauer mit dem weltberühmten Aquädukt im Hintergrund und macht ein Selfie. In Segovia ist die Skulptur offenbar sehr umstritten. Immerhin nimmt der "diablillo" sich selbst, die Technologiebesessenheit der Menschen sowie deren unstillbaren Drang, sich vor jedem Monument rund um den Globus abzulichten, ordentlich auf die Schippe.:-)

Für die Rückfahrt haben wir nur noch Tickets nach 21:00 Uhr buchen können, entsprechend spät sind wir wieder in Madrid. Ein sehr gelungener Ausflug.

Montag, 24.03 - Mittwoch 25.03.2025 Madrid

Die Tage verbringen wir mit weiteren Erkundungen der Stadt. Erfreulicherweise bleiben wir von weiteren Regenschauern tagsüber verschont und ab und an zeigt sich auch einmal die Sonne.

Gran Via

Sehr gut gefällt uns die opulente Art-déco-Architektur auf dem Prachtboulevard Gran Via. Der Plaza de Cibeles wird von monumentalen Gebäuden eingerahmt. Der auf dem Platz befindliche Cibeles-Brunnen ist ein weiteres Wahrzeichen der Stadt und nicht nur bei Fußballfans von Real Madrid bekannt. Hier feiern die Fans von Real Madrid die Triumphe der Königlichen. Das ehemalige Postgebäude (jetzt Kulturzentrum Centro​Centro) fällt mit seinem spanischen Zuckerbäckerstil auf. Vom Balkon hat man einen schönen Blick über die Stadt.

Kulturzentrum Centro​Centro

Am Montag Mittag gehen wir zur wunderschönen Markthalle San Miguel, die sich aber augenscheinlich vom Traditionsmarkt zum Touristenmagnet entwickelt hat. In dem schönen Jugendstil-Gebäude wird das gastronomische Angebot äußerst appetitlich und teuer präsentiert. Doch das Gedränge und die wenigen Sitzmöglichkeiten schrecken uns ab. Dafür finden wir ganz in der Nähe eine von Google empfohlene winzige Tapas-Bar (“El Minibar”), wo wir aber ganz vorzügliche Tapas bekommen.

Prado

Der Prado-Besuch ist insbesondere aufgrund des Besucherandrangs und der damit verbundenen Lautstärke extrem anstrengend. Mit der Audioguide-Führung (leider zu langatmige und schlecht ins Deutsche übersetzte Texte) gelingt es zumindest teilweise, sich ein wenig den Meisterwerken zu widmen. So erhalten wir einen kleinen Einblick in die unglaubliche Sammlung, deren Highlights die Werke von Velazquez und Goya sind, derzeit ist auch eine Sonderausstellung mit Werken von El Greco zu sehen.

Viel angenehmer ist der Besuch des Museum Thyssen-Bornemisza im klassizistischen Palacio Villahermosa. Mit weniger Andrang, einer sehr angenehmen Atmosphäre und einer ansprechenden Audioguide-Führung genießen wir die tollen Kunstwerke, von denen ein großer Teil dem Kubismus und Expressionismus zuzuordnen ist.

Palacio Real

Mit dem vorab gebuchten Online-Ticket können wir an der Ticket Schlange vorbei den Königspalast Palacio Real betreten. Sonnenschein bringt die barocke Fassade des festungsartigen Gebäudes aus hellgrauem Granit und weißem Marmor zum Leuchten. Der riesige Palast zählt rund 2000 Zimmer, von denen ein kleiner Teil der Öffentlichkeit zugänglich ist. Das Innere quillt vor Luxus und Schätzen über. Zu den Höhepunkten gehören das Treppenhaus und der riesige Thronsaal mit einem Deckengemälde von Tiepolo.

Sehenswert ist ebenfalls die populäre Iglesia de San Ginés, in der es u.a. ein El Greco Gemälde gibt. Hinter der Kirche verbirgt sich die berühmte Chocolatería San Ginés, die zum Pflichtprogramm gehört. Das bereits 1894 gegründete Café steht wohl in jedem Reiseführer für Madrid als Geheimtipp für die typische heiße Schokolade und Churros (ein Schmalzgebäck). Es gelingt uns, ein Zeitfenster ohne Schlange zu erwischen. Die heiße Schokolade ist tatsächlich vorzüglich, auf die fetten Churros verzichten wir wohlweislich.

Anlässlich Ankes Geburtstag speisen wir am Dienstag Mittag hervorragend (aber teuer) im ebenfalls von Michelin empfohlenen Fischrestaurant "Estimar". Abends gibt es eine Flamenco-Show im “Tablao Terres Bermejas”. Die einstündige Aufführung ist zwar sehr touristisch, der Rahmen aber sehr schön und auch bei den Tänzern kommen wir auf unsere Kosten.

Die fünf Tage in Madrid waren anstrengend, hinterlassen aber eine positiven Eindruck. Die Stadt hat eine Menge an Kultur und Sehenswürdigkeiten sowie tolle Gastronomie zu bieten. Sehr erstaunt waren wir hingegen über die Besuchermassen, die wir Ende März nicht in dem Ausmaß erwartet hätten.